Dan Peterman

7 Deadly Sins

Dan Peterman 7 Deadly Sins
8.9.
21.10.2001
Kunstverein Hannover

In seiner bislang größten Präsentation, gleichzeitig seine erste umfassende Einzelausstellung in Deutschland, entwickelte Dan Peterman eine Gesamtkonstellation aus einer Folge formal sehr unterschiedlicher, jeweils raumbezogener Einzelarbeiten.

Ein in der Ausstellung siebenfach wiederkehrendes Motiv waren die “7 Deadly Sins”, eine Konstellation von je sieben Möbelstücken und Haushaltsgegenständen. Jede einzelne Gruppierung bestand aus Tisch, Stuhl, Teppich, Regal, Krug, Kühlschrank und Spiegel, die über mehrere Wochen in verschiedenen Hannoveraner Recyclinghöfen gesammelt wurden. Das Ensemble der alltäglichen, für die “wohnliche” menschliche Behausung modellhaften Gegenstände fungiert als Modulstruktur, die als Ready-Made-Skulptur und Bild betrachtet werden konnte. Für seinen “Finishing Room (cheese)” (1999) erwarb Peterman 18 Laibe frischen Ziegenkäse von einer regionalen Käserei, die in einem Gewächshaus im Kunstverein reifen und ihren Duft verströmten. Das Nahrungsmittel verwandelt sich während der Ausstellungslaufzeit in einen nicht-essbaren Rückstand mit eigener, in neuem Kontext nutzbare Realität und Symbolik.
Eine weiterer, zentrale Installation der Ausstellung waren Teile des “Excerpts from the Universal Lab (plan b)” (2000), eines Amateurlabors, das im Schatten der Universität von Chicago als bewusst subversiver Gegenpart zur offiziellen “High-Tech-Wissenschaft” der dortigen Universität arbeitete. Peterman betreut gemeinsam mit Kollegen den ausufernden Nachlass des Labors und bereitet ihn künstlerisch auf. Seine mit Erläuterungen versehene Präsentation des Labors zeigt mit dem Instrumentarium des Labs einerseits die Fruchtbarkeit eines alternativen Denkens als zweiten Weg auf, andererseits wurden auch hier wieder diverse Aggregatzustnde von Gegenständen in ihrer unterschiedlichen Verdichtung anschaulich gemacht.
In dem langgestreckten Oberlichtsaal ließ Peterman einen Plankenweg aus recyceltem Plastik errichten, der in etwa 35 cm Höhe über dem mit Holzschnipseln aus geschredderten Möbeln und Holzplatten bedeckten Boden verlief.
Ebenfalls aus recyceltem Plastik besteht das “Archive (for 57 people)” (1998) im letzten Raum der Ausstellung, eine Modulstruktur, die einen Boden aus Plastikplanken und verschiedene Regalsysteme beinhaltet. Peterman legte hier als Ausgangsmaterial die durchschnittliche Menge des jährlich von 57 US-Amerikanern verbrauchten Plastiks zugrunde. Formal zwischen skulpturaler Autonomie und funktionaler Nutzanwendung stehend, nahm das Ensemble nahezu den ganzen Raum ein.

	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2001
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2001
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2001
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2001
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2001
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2001