Naoya Hatakeyama

Naoya Hatakeyama
13.4.
19.5.2002
Kunstverein Hannover

Nayoa Hatakeyama (*1958) zählt zu den bedeutendsten japanischen Fotokünstlern seiner Generation. Seit Mitte der 8oer Jahre hat der Fotograf ein den Zusammenhang von Natur und Architektur umkreisendes Werk entwickelt, das von einem nahezu wissenschaftlichen, archäologischen Impuls geleitet wird. Die Ausstellung, die anschließend in der Kunsthalle Nürnberg und im Huis Marseille in Amsterdam zu sehen sein wird, ist die erste institutionelle Einzelpräsentation des Künstlers in Deutschland.

In der groß angelegten Einzelausstellung werden alle wichtigen Serien präsentiert, darunter die Serien der “Lime Works” (Factory Series)(1991-94)/ “Lime Hill” (Quarry Series) (1986-1992), eine Auseinandersetzung mit den Architekturen und Landschaften von Kalksteinwerken ebenso wie die “Blast” (seit 1995), gleichermaßen plastisch und explosiv wirkende Aufnahmen von Sprengungen in Steinbrüchen. Daneben werden die 2001 entstandenen Bildfolgen “Slow Glass” und “Still Life” gezeigt. In “Untitled” und in den “River Series” entwickelt Hatakeyama am Beispiel der Metropole Tokio dabei ein so reflektiertes wie suggestives Bildpanorama über den dialektischen Zusammenhang zwischen Natur und Zivilisation.

Die Konstellationen, die Hatakeyamas Kamera entdeckt, tragen sowohl etwas Surreales als auch Archaisches in sich: Kalksteinhalden wirken wie Steinzeitlandschaften oder Ansichten vom Mond. Die bühnenhaft ausgeleuchtete Kanalisation erscheint als magisch erhellte Höhle, bisweilen aber auch wie der Blick in die Tiefe eines Kameraobjektivs.
Städte begreift Hatakeyama nicht in erster Linie unter einem gesellschaftlichen Blick, sondern als (bezeichnenderweise stets menschenleere) architektonische Schichtungen, denen seine Kamera geduldig folgt. Dabei scheint sich die sichtbare, oberirdische Struktur der Stadt mit dem gewöhnlich unsichtbar bleibenden Unterirdischen gleichsam zu spiegeln.
Zu dem vertikal archäologischen Bildprinzip, das den städtischen Organismus von der überblickenden Vogelperspektive bis hin zu den giftig schimmernden Abwasseroberflächen der Kloaken in den unterirdischen Abwasserkanälen erforscht (“Underground/Water”, 1999), tritt ein horizontales Prinzip zur Seite, das sich vor allem in der seriellen Anlage seiner Arbeiten ausdrückt. In ihm verwirklicht sich der Zeitaspekt als zweites wichtiges Element in der Arbeit Hatakeyamas. Die vertikale archäologische Vorgehensweise, das schichtweise Eindringen in den Stadtkörper erweist sich als Kehrseite einer horizontalen Auslotung von Zeitstrukturen, zum Beispiel komprimiert auf den explosiven Augenblick, wie in den “Blast” oder, als Langzeituntersuchung angelegt, wie in dem 48- teiligen Stadtübersichts-Tableau der “Untitled”-Reihungen (1989-97).

Zur Ausstellung, die nach ihrem Auftakt in Hannover in der Kunsthalle Nürnberg (25.7. – 15.9.2002) und im Huis Marseille, Stiftung für Fotografie in Amsterdam (30.11.2002 – 23.2.2003) zu sehen sein wird, erscheinen eine umfangreiche Publikation im Hatje Cantz Verlag sowie eine Edition.

Naoya Hatakeyama 	»Slow Glass«, 2001
Naoya Hatakeyama »Slow Glass«, 2001
Naoya Hatakeyama 	»Blast«, seit 1995
Naoya Hatakeyama »Blast«, seit 1995
Naoya Hatakeyama 	»Lime Hills (Quarry Series)«, 1986-91
Naoya Hatakeyama »Lime Hills (Quarry Series)«, 1986-91
Naoya Hatakeyama 	»Lime Works (Factory Series)«, 1991-94
Naoya Hatakeyama »Lime Works (Factory Series)«, 1991-94
Naoya Hatakeyama 	»Lime Hills (Quarry Series)«, 1986-91
Naoya Hatakeyama »Lime Hills (Quarry Series)«, 1986-91