On Stage

On Stage
14.12.2002
26.1.2003
Kunstverein Hannover

Birgit Brenner, Christoph Büchel, Janet Cardiff/George Bures Miller, Björn Dahlem, Henrik Plenge Jakobsen, Stefan Exler, Rodney Graham, Stefan Wissel, Teresa Hubbard/Alexander Birchler, Ross Sinclair

Mit der Ausstellung ON STAGE widmet sich der Kunstverein Hannover einem der zentralen Themen zeitgenössischer Kunst: der Theatralität und der bühnenhaften Inszenierung. Zwölf Künstler aus Europa und den USA inszenieren ein beeindruckendes Crossover von zeitgenössischer Kunst und Theater. Ein Teil der Videos, Installationen, Skulpturen und Fotografien entsteht eigens für die Ausstellung in Hannover.

Zwischen bühnenhafter Inszenierung und gezielter Verfremdung changiert zum Auftakt die raumfassende Installation von Ross Sinclair (*1966). Vor komplett mit Umzugskartons verkleideten Wänden entsteht ein kryptisch anmutendes Verweissystem aus wohlbekannten Zeichen. Rodney Grahams (*1949)Videoprojektion City Self/Country Self (2000) handelt als psychosoziale Farce vom Aufeinandertreffen zweier Doppelgänger-Charaktere. Christoph Büchel (*1966) lässt einen Konzertraum mit seinem gesamten Inventar nach einem real durchgeführten Punk-Konzert auf minus 25 Grad tiefgefrieren und hält somit den Augenblick des Konzerts als Stillstand gegenwärtig. Stefan Wissel (*1960) konstruiert für seine Arbeit playstation ein raumgreifendes Stahlrohrgerüst, das offenbar dem einzigen Zweck dient, eine Fahrradklingel zu halten. Wissel begreift das Gestell als “Set kollektiver Erzählungen”, die Fahrradklingel gilt ihm als Symbol der “Blüte des abstrakten Gedankens”. Die wild wuchernde und in situ entstehende Materialassemblage Björn Dahlems (*1974) erscheint als Zwitter aus Versuchsanordnung und zeitlich begrenzter Phantasie-Struktur. Konglomerate aus Dachlatten, Teppichresten, Styropor und Neonröhren entwickeln ein anspielungsreiches Miteinander vielfältiger formaler und inhaltlicher Bezüge, das die geheimnisvolle Anziehungskraft eines barocken horror vacui besitzt. Gesamte Räume dagegen inszeniert Stefan Exler (*1968) für seine großformatigen Fotografien. Keller 1 zeigt einen auf den ersten Blick durchschnittlichen Kellerraum eines Eigenheims mit Garten. Erst auf den zweiten Blick entpuppt sich die Zusammenstellung aus Klappstühlchen, Stöcken, Bodenmatten und Harken als wohl kalkuliertes Gesamtszenario. In ihren narrativ geprägten Text- und Videoarbeiten dolumentiert Birgit Brenner (*1964) die schizoide Krankengeschichte einer Frau. Für ihre Werkgruppe Angst vor Gesichtsröte (seit 1999) hat sie eine schizophren wirkende weibliche Protagonistin kreiert, deren depressive, schizoide Krankengeschichte sie in fiktiven Interviews und Gesprächen dokumentiert. Im Kunstverein sprüht sie tagebuchartige Ausschnitte daraus mit roter Farbe direkt auf die Wand und illustriert sie mit Detailaufnahmen der Person.

Teresa Hubbard/Alexander Birchler (*1965/1962) lassen in ihrem Video Single Wide (2002) eine Frau nach der ruhigen Vorbereitung ihrer Tat mit ihrem Wagen in einen vollständig eingerichteten, voluminösen amerikanischen Wohnwagen rasen: Die Außenhaut splittert, und in einem Akt brachialer Gewalt dringt wie in einem futuristischen Gemälde die Straße in das Haus. Janet Cardiff/George Bures Miller (*1957) nutzen für ihre Installation The Muriel Lake Incident (1999) eine klassische Guckkastenbühne, die als schmuckloser Holzverschlag zur Filmschau zwischen Peepshow und Puppenbühne einlädt. Doch über die via Kopfhörer zu hörenden Geräusche und Gespräche des Films legt sich eine zweite Tonebene, die einem fiktiven Zuschauerraum zu entstammen scheint. Scheinbar ambivalente Gegensätze, Schönheit und Bedrohung, Aggressivität und Vergnügen vereinen sich in Henrik Plenge Jakobsens (*1967) Laughing Gas House. Das bunte Spielzeughaus ist, für Besucher unzugänglich, über einen Plastikschlauch mit einer Flasche Lachgas verbunden.

Eine zweite Arbeit von Plenge Jakobsens war bis zum 22.12. im Außenraum zu finden: Im Georgengarten weideten rosa gefärbte, mit Lavendel parfümierte Schafe als kulturhistorischer Verweis auf die zu Königin Marie Antoinettes Zeiten beliebte Staffage bei Theateraufführungen im Stile barocker Schäferlyrik.

	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2002
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2002
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2002
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2002
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2002
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2002
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2002
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2002
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2002
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2002