Luc Tuymans

The Arena

Luc Tuymans The Arena
9.3.
27.4.2003
Kunstverein Hannover

Luc Tuymans gehört seit seinem Auftritt auf der Biennale in Venedig im Jahr 2001 und der Documenta 11 international zu den bedeutendsten Malern seiner Generation. Der 1958 in Mortsel/Antwerpen geborene belgische Künstler hat seit Ende der 8oer Jahre ein außerordentlich komplexes Werk entwickelt, das den Status des Bildes zwischen Präsentation und Repräsentation befragt.

Das malerische Vorgehen Tuymans basiert auf einer Doppelstrategie: Aus einer eher zeichnerischen, kühl-figurativen Anlage heraus, und immer auf der Basis von bereits medialem Material (Polaroids, Zeitungsabbildungen, Filmstills), entstehen stille, unspektakuläre, zumeist kleinformatige Bilder von Landschaftsausschnitten, Gegenständen, Architekturen und maskenhaft wirkenden Menschen. In ihrer „frostfarbenen“, oft weißlich grundierten Unschärfe strahlen alle Bilder eine stille, erstarrte Leere aus, die zwischen konkreter Darstellung und Andeutung changiert. Wie Schatten von Dingen schweben die Malgegenstände durch den Bildraum, immer an der Grenze dazu, sich aufzulösen in das Nichts, dem sie abgerungen wurden. Dabei sind alle Arbeiten dieses Malers von einer vielschichtigen Inhaltlichkeit bestimmt, bspw. von der Auseinandersetzung mit der als katastrophal empfundenen jüngeren Geschichte, wie sie sich am prägnantesten im Nazionalsozialismus und dem Holocaust ausdrückt.

Als Fundament für Tuymans groß angelegtes Ausstellungsprojekt The Arena im Kunstverein Hannover fungieren dabei die erstmals in dieser Breite gezeigten Filmstills und Polaroids, die so etwas wie ein Bildarchiv für den spezifischen malerischen Zugriff darstellen, sowie ein großes Konvolut von Zeichnungen aus den Jahren 1985 bis 2001. Im Mittelpunkt der Schau stehen vier Folgen malerischer Arbeiten, von denen drei Bildgruppen erstmalig in Deutschland gezeigt werden. Während die Serie Slide (2002) die Entleerung des Bildes bis zu dem Punkt treibt, an dem es wie sein eigenes Phantom erscheint, operieren die Exhibits (2002) mit der offensiv vorgeführten Konstruiertheit und Bühnenhaftigkeit des Geschehens, die das Gefühl einer grundlegenden Ortlosigkeit noch verstärken. Die vierteilige Bildgruppe Die Zeit (1988) und die ebenfalls im deutschsprachigen Raum noch nicht gezeigte Folge The Passion (1998/89) komplettieren das Panorama einer Recherche nach Bildern, die „etwas erscheinen und gleichzeitig verschwinden lassen“ (Tuymans 2002).

	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003