Walter Niedermayr

Walter Niedermayr
10.5.
22.6.2003
Kunstverein Hannover

Walter Niedermayr, geboren 1952 in Bozen, Südtirol, gehört zu den wichtigsten Fotografen seiner Generation. International bekannt wurde er mit seiner ersten großen Serie Die Bleichen Berge, für die er 1995 mit dem \“European Photography Award\” ausgezeichnet wurde.

Für Hannover hat Niedermayr eine Sammlung von 29 großformatigen zwei- und mehrteiligen Arbeiten aus allen wesentlichen Serien zusammengestellt, darunter auch eine neue, zweiteilige Videoprojektion.

Im Zentrum des uvre Niedermayrs steht die fotografische Reflexion von Zeit und Raum. Indem Niedermayr seine Motive aus verschiedenen Blickwinkeln fotografiert und in Tableaus zusammensetzt, erscheinen die abgebildeten Räume bruchstückhaft und ortlos. Wie auf Wolken, so scheinen beispielsweise die Protagonisten von Walter Niedermayrs neuer, als Fries angelegter Arbeit Titlis (1999) zu schweben. Gleichsam einer Choreografie gehorchend, wiederholen und verlieren sie sich in unterschiedlichen Konstellationen, während sie im alles überstrahlenden Weiß wie Pinselstriche auf einer Leinwand wirken. Die Fragmentierung und die durch die Unterbelichtung entstandenen weißen Bildgründe machen deutlich, dass Niedermayrs Werk immer auch eine Untersuchung des spezifischen fotografischen Blicks und seiner Produktionsmechanik ist.

Ausgehend von den Motiven seiner heimatlichen Umgebung, den Alpinen Landschaften, hat Niedermayr sein Repertoire langsam und sorgfältig erweitert. So untersuchen die Werkfolgen der Artefakte Stadt- und Straßenarchitekturen, während er sich mit den Zyklen der Rohbauten und Raumfolgen mit Innenräumen beschäftigt: Sie zeigen Interieurs von unfertigen Bauwerken sowie von Gefängnissen und Krankenhäusern. Diese Bilder spiegeln auf einer inhaltlichen Ebene Niedermayrs Nachdenken über Anwesenheit und Abwesenheit, über den Kreislauf von Leben und Tod; sie konstatieren so eine Zyklizität, die er auch in seinen Videoloops aufgreift.

Gemeinsam ist den Arbeiten Niedermayrs, dass er mit ihnen eben keine plakative Zivilisationskritik formuliert, sondern sehr viel grundsätzlicher über eine durch die umfassende Erschließung der Welt entstandene gleichförmige Ästhetik reflektiert. Für Niedermayr werden die ehemaligen Orte des Erhabenen zu \“einer Topografie, wo sich Gesellschaft exemplarisch in den verschiedensten Spielformen unserer Konsumwelt manifestiert. Zudem sprechen die Orte unserer Sehnsüchte und Projektionen am eindringlichsten über unser Leben, unser Handeln in dieser Welt und deren Befindlichkeit.\”

Die Ausstellung sowie der umfangreiche im Verlag Hatje Cantz erscheinende Katalog wurden in Kooperation mit der Kunsthalle Wien erarbeitet. Weitere Stationen: Museum für bildende Künste Leipzig (3. Juli – 28. September 2003), Württembergischer Kunstverein Stuttgart (15. November 2003 – 18. Januar 2004), Museion – Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst Bozen (30. Januar – 4. Mai 2004).

	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2003