Peter Kogler

Peter Kogler
24.4.
20.6.2004
Kunstverein Hannover

Das Werk des zweifachen Documenta-Teilnehmers Peter Kogler setzt sich aus wenigen, zeichenhaft gehandhabten Elementen zusammen. Seit 1984 hat der österreichische Künstler (*1959) aus Motiven des menschlichen Hirns, der Ameise und der Röhre vielschichtige, über Wände, Böden und Decken wuchernde begehbare Raumlabyrinthe entwickelt. Wie kaum ein anderer Künstler der Gegenwart formuliert Kogler damit präzise Bilder für unsere zunehmend von Datenströmen und elektronischer Kommunikation beherrschte Welt. Gleichzeitig verbindet er diese Visualisierung mit einer körperlichen Erfahrung von Ortlosigkeit und Desorientierung. Dabei gründet die Überzeugungskraft der Arbeiten wesentlich auf ihrer kongenialen Verknüpfung mit dem Raum. Mit Hilfe von bedruckten Tapeten, Vorhängen und Videoprojektionen wandelt sich die jeweilige Architektur in eine virtuell anmutende, sowohl end- wie auch bodenlose Raumflucht, in deren Verschlingungen der Betrachter unterzugehen droht. Indem Kogler formal die Traditionen minimalistischer und konzeptueller Raumkunst von Sol LeWitt über Joseph Kosuth bis Daniel Buren reflektiert, gelingt es ihm, sein Zeichenrepertoire so anzulegen, dass es den Status eines Labels erhält, ohne seine Anbindungsfähigkeit an Inhalte damit zu gefährden. In einem bewusst widersprüchlichen Sinn sind Koglers Arbeiten immer zugleich “leere” Projektionsflächen und inhaltlich aufgeladene Reflexionsräume. Insofern lässt sich beispielsweise seine täuschend dreidimensional wirkende graue Röhrenform stets mehrdeutig lesen: Als reines Muster, als organoide Konstruktion oder Architektur, als Metapher für das komplizierte System aus Venen und Arterien in unserem Körper, als mikroskopisch vergrößerter Blick auf unsere Hirnwindungen oder schließlich als Visualisierung elektronischer Leitungssysteme und Datenautobahnen. Diese assoziativen Synapsen, die Koglers Motive anbieten, sind nicht zu verwechseln mit inhaltlicher Parteinahme. Der Künstler formuliert ein Display, das die Beziehung zwischen Körper, Information und Raum als eine Strukturgegenseitiger Abhängigkeiten sichtbar macht, aber er bewertet sie nicht. Ihre Interpretation bleibt uns überlassen. Gleich weit entfernt von ängstlicher Medienskepsis oder ungebrochener Medienaffirmation präsentiert uns Peter Kogler die Welt als ein Truggebilde, in dem das eigentlich Unsichtbare plötzlich sichtbar wird und diese Präsenz gleichzeitig die Unwirklichkeit und damit die Entzogenheit des Sichtbaren erst recht deutlich macht.
Vier Jahre nach seiner zusammenfassenden Schau im Kunsthaus Bregenz entwirft Kogler nun für den Kunstverein Hannover einen groß angelegten Parcours mit hauptsächlich neuen Arbeiten. Im Verlag HatjeCantz erscheint ein ausführliches Werkbuch, das neben der Ausstellung auch alle seit den 1980er Jahren entstandenen Arbeiten dokumentieren wird. Die Präsentation wandert im Anschluss in das Innsbrucker Taxispalais.

	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2004
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2004
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2004
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2004
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2004
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2004
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2004
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2004
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2004
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2004