Tauchfahrten

Zeichnung als Reportage

Tauchfahrten Zeichnung als Reportage
27.11.2004
30.1.2005
Kunstverein Hannover

Jessica Abel, Monika Baer, David B., Steve Bell, Tatjana Bergius, Peter Blegvad, Bernard Buffet, David Collier, Alice Creischer, Erich Dittmann, Alberto Giacometti, Wolfgang Grunwald, Constantin Guys, Hokusai, Ben Katchor, Max Klinger, Friederike Klotz, Fritz Koch-Gotha, Tünde Kovács, Willibald Krain, Ulli Lust, Theo Matejko, Henry Moore, Stephan Mörsch , Ri Tong Chan, Harvey Pekar, Kai Pfeiffer, Inna Poltorychin,Alexander Roob, Joe Sacco, Salon de Fleurus, Alfred Schmidt, Dierk Schmidt, Jim Shaw, Andreas Siekmann, Emil Stumpp, Susan Turcot, Rick Veitch , Amelie von Wulffen , Robert Weaver, Stephen Wiltshire, Eric Wunder, He Youzhi, Florian Zeyfang

»Tauchfahrten« ist als thematisches Ausstellungsprojekt angelegt, welches das Verhältnis von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit in der zeitgenössischen Kunst bezogen auf das Medium der Zeichnung untersuchen soll. Diese Ausrichtung der Fragestellung erweist sich dabei schon insoweit als fruchtbar, als dem Zeichnerischen selbst eine Grundambivalenz zwischen Verschwinden und Präsenz eigen ist. Sie ist gekennzeichnet durch eine stete Balance-Bewegung zwischen vorbereitender und also für das Publikum meist unsichtbar bleibender Skizze und gültiger, autonomer Setzung. Darüber hinaus wird die Ausstellung, die konzeptionell von Clemens Krümmel (Texte zur Kunst) und dem Zeichner Alexander Roob erarbeitet wird, nicht ein konventionelles Panorama verschiedener Aspekte von Künstlerzeichnungen vorstellen. Sie setzt sich das Ziel, auch Traditionslinien des Zeichnerischen zu klären, die bislang eher unsichtbar geblieben sind. In diesem Zusammenhang spielt für die Präsentation vor allem die historische Entwicklung der Verbindung von Zeichnung und Reportage auf internationaler Ebene eine tragende Rolle. Neben autobiografisch und/oder historisch berichtenden Zeichenweisen, die sich den erzählenden Strukturen von comic strips nähern, meint das unter anderem auch so verschieden scheinende Arbeitsfelder wie Gerichtszeichnungen, sozialutopische Entwurfszeichnungen, Traumprotokolle oder komplexe Organigramme. Dabei wird sowohl auf zeitgenössische wie auch auf historische Beispiele zurückgegriffen, um so eine Fülle kunstgeschichtlicher wie aktueller Anknüpfungspunkte an das Konzept der Reportagezeichnung zu verdeutlichen. Reportage soll hier als Begriffsvorschlag für eine große Menge künstlerischer Praktiken stehen, die sich ausdrücklich auf Erlebnisse und Erfahrungen beziehen, welche in der Zeichnung durch Ausflüge, “Tauchfahrten” von schwer zugänglichen, beziehungsweise normalerweise unsichtbar bleibenden Orten zurück gebracht werden können – seien dies mit Fotografierverboten belegte Orte wie Gefängnisse, Krankenhäuser oder Gerichtssäle, seien es innere Räume der Imagination, in denen sich planerisch-abstraktes oder konkret-utopisches Denken zu formieren vermag.

Stephan Mörsch 	»Unterwasserzeichnung«, 2004
Stephan Mörsch »Unterwasserzeichnung«, 2004
He Youzhi 	»Zeichnung aus der »Autobiografie der Jugendjahre««, 1887
He Youzhi »Zeichnung aus der »Autobiografie der Jugendjahre««, 1887
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2004
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2004
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2004
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2004