Jonathan Monk

yesterday today tomorrow etc.

Jonathan Monk yesterday today tomorrow etc.
25.2.
16.4.2006
Kunstverein Hannover

In Jonathan Monks künstlerischer Arbeit paaren sich Leichtigkeit, Nostalgie und Ironie mit präziser Genauigkeit und einem hoch entwickelten Sinn für die wesentlichen Entwicklungslinien der Kunst des 20. Jahrhunderts zu einem faszinierenden, immer persönlich grundierten Kosmos.
Im Mittelpunkt der Überlegungen des 1969 in Leicester geborenen und in Berlin lebenden Künstlers steht die Suche nach dem archimedischen Punkt, an dem sich privat-persönliche Erfahrung mit künstlerischer Verallgemeinerung und Abstraktion produktiv verbindet.
Nicht von ungefähr bilden Bars, Bier und Fußball einen wichtigen Schwerpunkt in der Frühphase dieses Werks. Als Orte des täglichen Lebens und Epizentren kollektiven Freizeitvergnügens sind sie für Monk das perfekte Feld, um seine künstlerischen Interventionen gegen jegliche blässliche „Kunst-als-Kunst“-Anämie abzusichern. So werden absurde Biertrinkrekorde aufgestellt und mittels eines bierdurchnässten T-Shirts dokumentiert, der eigene Name – nach dem Genuss von 10 Pints Bier – in den Sand gepisst oder befreundete Künstler aufgefordert, in Monks privater Toilette tätig zu werden, und sei es, indem man sie zum Überlaufen bringt („My Little Toilet“). Der unverkennbar britische Humor, mit dem hier Menschliches und Allzumenschliches zum Gegenstand einer künstlerischen Veröffentlichung wird, begleitet das Werk bis heute. Ebenso wichtig ist aber die Reflexion darüber, wie und nach welchen Regeln Kunst entsteht und inwieweit die Mythen und Erzählungen über viele wichtige Werke der jüngeren Kunstgeschichte deren Bedeutung in gleichem Maße konstituieren wie die Werke selbst.
Insbesondere die Konzept- und Minimal-Kunst der 60er und 70er Jahre mit ihren Autonomie-Forderungen und den strengen, auf Objektivierbarkeit zielenden Regelwerken bilden einen wesentlichen Bezugspunkt für Monks eigene Überlegungen. Von Mondrian über Sol LeWitt bis hin zu Richard Serra unterzieht Monk deren Arbeiten einer sowohl interpretierenden wie aneignenden Wiederholung, die den Absolutheits- und Reinheitsanspruch dieser Werke gezielt mit der eigenen Biografie und seinem persönlichen Umfeld kurzschließt. Im Ergebnis entsteht so eine bestechende Balance aus Demystifizierung der Reinheitsdogmen der 60er und 70er Jahre und ihrer persönlich gefärbten und damit produktiv verunreinigten Revitalisierung.
Diese erste institutionelle Übersichtsausstellung zu Jonathan Monk ermöglicht einen umfassenden Einblick in die seit Anfang der 90er Jahre entstandenen Werkkomplexe und wird darüber hinaus neue, eigens für Hannover geschaffene Arbeiten enthalten. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Nürnberg und dem Kunstmuseum Sankt Gallen, wo sie im Anschluss an die Auftaktveranstaltung in Hannover im Frühsommer und Herbst 2006 zu sehen sein wird. Es erscheint ein Katalog.

Jonathan Monk 	»Constantly moving whilst standing still«, 2005
Jonathan Monk »Constantly moving whilst standing still«, 2005
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2006
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2006
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2006
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2006
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2006
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2006
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2006
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2006