David Thorpe

Veils and Shelters

David Thorpe Veils and Shelters
29.8.
8.11.2009
Kunstverein Hannover

or Sparkles of Glory
or Perfume Against the Sulphurous Stinke of the Snuffe
or the Light for Smoak

David Thorpe (*1972) entwickelt seit Ende der 1990er Jahre Parallelwelten von atemberaubender Schönheit, deren visionärer Charakter von seiner Leidenschaft für utopische Lebensentwürfe gespeist wird. Thorpes Collagen, Skulpturen und raumfüllende Installationen zeichnen sich durch die akribische Anwendung kunsthandwerklicher Techniken und ausgefallener Materialkombinationen aus.

Zeigen seine ersten großflächig angelegten Papiercollagen nächtliche Szenerien fiktiver Vorstädte, tritt in den farbenreicher und detaillierter ausgearbeiteten Scherenschnitten die unbändige Natur zunehmend in den Vordergrund. „Escape into the Wilderness“ betitelt der in London geborene Künstler diese inhaltliche Akzentverschiebung in seinem Buch „A Rendezvous with My Friends of Liberty“: Berggipfel, hoch aufragende Kiefern und weite Himmel bilden die Kulissen, in denen sich bisweilen winzige Figurengruppen bewegen.

In der unermesslichen Weite der zivilisationsfernen Einöde erheben sich futuristisch anmutende Behausungen, die nur per Seilbahn oder mittels Helikopter erreichbar sind. Unübersehbar bezieht sich Thorpe auf die Kunst des 19. Jahrhunderts, die Landschaften eines Caspar David Friedrichs oder die amerikanische Pioniermalerei der Hudson River School, die die Darstellung von Landschaft als Ereignis thematisiert und die Naturwunder der Neuen Welt feiert.

Dabei besteht Thorpes Bildvokabular aus einer Vielzahl von schriftlichen und bildlichen Inspirationsquellen, die er sampelt und miteinander reagieren lässt. Dem entspricht seine an Komplexität gewinnende Collagentechnik, die verschiedene Elemente zu einem Ganzen fügt: präzise angelegte Kompilate aus Papier, getrockneter Borke und Blumen, Modeschmuck, Leder, Schiefer, Modellbau-Holz, Kiesel und Knetmasse, deren malerische Wirkung aus der Ferne verblüfft.

Die daraus synthetisierten Architekturen wirken wie festungsartige Versammlungsorte einer separatistischen Gemeinde und wecken Assoziationen an die französische Revolutionsarchitektur von Étienne-Louis Boullée oder die organischen Bauten von Bruce Goff und zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit der Arts-and-Crafts-Bewegung.

Thorpes Materialcollagen expandierten zunehmend ins Dreidimensionale und bespielen den realen Raum: Sonderbare skulpturale Objekte ragen aus schlichten Holzsockeln, fragile Konstruktionen aus Holz und Glas wirken wie Nachbilder seiner architektonischen Schöpfungen, Wandschirme zerteilen die Räume in einzelne Kompartimente – in ein Labyrinth aus Bezügen und Bedeutungsebenen – und werden mit minutiös gemalten Aquarellen phantastischer Pflanzen bestückt.

In diesen Räumen voller Echos und Widerhall verbinden sich Präsenz und Verschwinden zu einem faszinierenden Parcours durch einen von Autarkie geprägten Kosmos, der Zukunft und Vergange-nheit zugleich beschwört. „Für mich ging es beim Erschaffen von Kunst immer darum, eine Schutzzone herzustellen, ein bewohnbares Universum“, so David Thorpe.

Für die Ausstellung im Kunstverein Hannover entwickelt David Thorpe eine neue ortsspezifische Installation.

David Thorpe 	»The Defeated Life Restored«, 2006–2007 (Detail)
David Thorpe »The Defeated Life Restored«, 2006–2007 (Detail)
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2009
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2009
	Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2009
Ausstellungsansicht Kunstverein Hannover, 2009
David Thorpe 	»Century Guild«, 2009
David Thorpe »Century Guild«, 2009
David Thorpe 	»Good People«, 2002
David Thorpe »Good People«, 2002