Stufen zur Kunst

Lothar Götz – crash

Stufen zur Kunst Lothar Götz – crash
27.4.2012
20.3.2013
Kunstverein Hannover

Stufen zur Kunst ist eine Projektreihe der Stiftung Niedersachsen und des Kunstvereins Hannover. Die Reihe präsentiert in jährlich wechselndem Rhythmus raumgreifende Installationen, die speziell für das Treppenhaus im Ostflügel des Künstlerhauses entwickelt wurden. Seit 2010 werden jährlich fünf Künstler eingeladen, einen Projektvorschlag für das Treppenhaus zu entwickeln. Mit dem Konzept einer großflächigen Gestaltung der Wände überzeugte in diesem Jahr der in London lebende Künstler Lothar Götz (*1963) und bespielt nun als dritter Künstler nach Esther Stocker und Christian Helwing das halböffentliche Treppenhaus.

Lothar Götz studierte an der Fachhochschule Aachen, der Bergischen Universität Wuppertal, der Kunstakademie Düsseldorf und dem Royal College of Art, London. Er erhielt mehrere Stipendien, darunter das renommierte Abbey Fellowship der British School, Rom (2010) sowie das Cocheme Fellowship des Central Saint Martins College of Art and Design (2006). Seit 2001 ist Götz als Dozent für Malerei an der Universität Sunderland tätig, sowie als Gastdozent an weiteren Universitäten in England. Im öffentlichen Raum gestaltete er unter anderem die U-Bahn Station Haymarket Newcastle und Piccadilly Circus London (2010/2006).

Ausgangspunkt von Lothar Götz' geometrisch abstrakten Zeichnungen, Gemälden und ortsspezifischen Arbeiten ist die Architektur. Seine Werke spiegeln ebenso die Auseinandersetzung mit charakteristischen Merkmalen von Räumen wie mit der ihnen zugrundeliegenden konzeptionellen Idee, die sich in der Struktur der Architektur manifestiert. Neben der konkreten Inspiration durch die räumlichen Gegebenheiten ist die Gestaltung seiner Wandarbeiten zuweilen durch filmische oder literarische Assoziationen beeinflusst, die Räume und Orte bei ihm auslösen.
Die Faszination für Architektur ist grundlegend für Götz´ Arbeitsweise. Durch das Aufgreifen baulicher Details mittels Form und Farbe verleiht er den Räumen ein neues Gesicht und unterstreicht zugleich ihre Identität sowie ihre architektonische Spezifik.

In Lothar Götz’ für die Projektreihe entwickelter Wandmalerei »crash« erstrecken sich präzise aneinandergesetzte Dreiecke in unterschiedlicher Farbigkeit und Formation auf zwei Wänden über die gesamte Höhe von 17 Metern des Treppenhauses der Stiftung Niedersachsen. Scharfe Malkanten und ein schablonenartiger Farbauftrag kennzeichnen die monochromen geometrischen Formen. Die teils in kraftvoller, teils in sanfter Farbigkeit gestalteten Dreiecke fächern sich strahlenförmig in unterschiedliche Richtungen auf und lenken den Blick des Betrachters in vorbestimmte Bahnen.

Mittels Wiederholungen gelingt Götz Vielfalt durch Variation: Farben und Formen werden immer wieder aufgegriffen, modifiziert und neu kombiniert – als befinde sich die Gesamtkomposition in einem fortwährenden Prozess der Wandels. In Relation zu den vorhandenen Etagen und architektonischen Merkmalen, wie Raumvorsprüngen und Treppenabsätzen, wird die vertikale Architektur des Treppenhauses in horizontale Abschnitte mit verschiedenen Fluchtpunkten untergliedert. Der Wechsel der Blickachsen erzeugt eine sogartige Dynamik, so dass der Betrachter beim Begehen des Treppenaufgangs regelrecht hinauf- oder hinabgezogen wird. In »crash« kennzeichnet jeden Treppenabsatz ein anders facettenreiches Bild, das sowohl als autonomes Einzelbild, wie als Bestandteil der Gesamtkomposition funktioniert. Die unterschiedliche Farbgebung verleiht jedem Absatz eine eigene Identität, die variantenreiche Wiederholung von Mustern und Farbgebung unterstreicht die strukturelle Einheit der vitalen Raumkomposition. Der Titel »crash« verweist auf dieses für die Arbeit charakteristische Aufeinandertreffen verschiedener Blickachsen und die kaleidoskopartige Zersplitterung der Farbformationen, die mit einer Dynamisierung der Raumwahrnehmung einhergeht.

Website Stufen zur Kunst

Lothar Götz  	»crash«
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