Stufen zur Kunst

Kathrin Sonntag – WHAT´S LEFT WHEN YOU´RE RIGHT

Stufen zur Kunst Kathrin Sonntag – WHAT´S LEFT WHEN YOU´RE RIGHT
27.11.2014
13.4.2016
Kunstverein Hannover

Stufen zur Kunst ist eine Projektreihe der Stiftung Niedersachsen und des Kunstvereins Hannover, die seit 2010 in wechselndem Rhythmus raumgreifende Gestaltungen präsentiert, die speziell für das Treppenhaus im Ostflügel des Künstlerhauses entwickelt werden. Unter fünf eingeladenen Künstlern setzte sich 2014 die Berliner Künstlerin Kathrin Sonntag (*1981) mit ihrem Konzept für die Installation »WHAT´S LEFT WHEN YOU´RE RIGHT« durch und bespielt nun als fünfte Künstlerin dieser Reihe den semiöffentlichen Raum.

Kathrin Sonntags Fotografien, Collagen, Diaprojektionen, Filme und Skulpturen werden stets in installativem Zusammenspiel präsentiert und thematisieren den Vorgang des Sehens, Wahrnehmens, Beobachtens und Erkennens. Nicht zuletzt besticht ihre Arbeitsweise durch einen spielerischen, humorvollen Charakter. Alltägliche Gegenstände und Situationen werden durch feine Verschiebungen und kompositorische Eingriffe zu Bühnen von dezenter Widersprüchlichkeit, die unsere Wahrnehmung immer wieder neu auf die Probe stellen.

Im Zentrum von Kathrin Sonntags für das Treppenhaus entwickelter Installation »WHAT´S LEFT WHEN YOU´RE RIGHT« (2014) steht die nonverbale Kommunikation, wie sie durch unterschiedliche Arm-, Hand- oder Fingerstellungen stattfindet. Freigestellt auf weißem Hintergrund, zeigen fotografische Aufnahmen von Armen und Händen in überdimensionierter Größe deren divergente Bewegungen in verschiedenste Richtungen – mal nach oben, mal nach unten, mal zur Seite. Assoziationen zum Lotsen der Bewegungsrichtung werden durch den Titel aufgegriffen, welcher allerdings ebenso wie die visuellen Zurufe in sich widersprechende Richtungen keine wirkliche Orientierung bietet, sondern eine mehrfache Lesart nahelegt: »Was befindet sich linker Hand, wenn man sich rechts befindet?«, »Was bleibt übrig, wenn man Recht hat?«, …

Als Hoch- und Querformat in Form großformatiger Fototapeten produziert, bespielen die Aufnahmen nicht nur auf verschiedenen Ebenen die Wände des 17 Meter hohen Treppenhauses, sondern setzen sich ebenso auf den Stufen des Treppenaufgangs und auf dessen Unterseite fort. Damit betont Kathrin Sonntag die spezifischen architektonischen Gegebenheiten und bringt eher unbeachtete Schrägen, An- und Aufsichten zum Vorschein. So eröffnet das Begehen des Treppenaufgangs nicht nur völlig neue Ansichten, sondern ebenso ein sich wandelndes Zusammenspiel aus Bewegungen und Gegen-bewegungen unterschiedlicher Gesten, die wiederum auf den Raum außerhalb des Bildes verweisen und sowohl sich selbst als auch die architektonischen Gegebenheiten zu kommentieren scheinen.

In der Geste sind, wie wohl in jedem Prozess des Verkörperns, Musterhaftes und Einzigartiges, Austauschbares und Ereignishaftes untrennbar miteinander verbunden. Bei Kathrin Sonntags kaleidoskopartiger Aufführung von Gesten handelt es sich um solche, die kontrolliert sind, die uns jedoch in gleicher Weise unbewusst unterlaufen könnten. Als Zeigegesten verweisen sie in verschiedene Richtungen, locken uns mit gekrümmtem Finger an, halten – als zum Zeichen geratener Fingerzeig – den Daumen nach unten, suggerieren eine Unentschlossenheit, indem sie sich gegenseitig überkreuzen, oder eine Offenheit anhand von ausgestreckten Armen und geöffneten Händen. Im Verbund mit der Architektur des Treppenhauses entwickeln sie einen vielschichtigen Dialog, der sich mit wechselnder Blickperspektive jeweils neu formiert und den Schwindel erregenden Charakter des Treppenhauses mit einem humorvollen Augenzwinkern aufgreift.

Biografisches: Kathrin Sonntag studierte an der Universität der Künste Berlin in der Klasse von Prof. Lothar Baumgarten. Arbeiten der Künstlerin waren bereits im Haus der Kunst, München (2014), in der Pinakothek der Moderne, München (2013), oder im Kunstmuseum Bonn (2012) zu sehen. 2012 zeigte der Kunstverein Hannover Kathrin Sonntags Diaprojektion »Blame it on Morandi« (2011) im Rahmen des Ausstellungsprojekts »Made in Germany II«.

Hintergrund zur Projektreihe Stufen zur Kunst: Stufen zur Kunst ist eine Projektreihe der Stiftung Niedersachsen und des Kunstvereins Hannover. Seit 2010 werden pro Turnus fünf Künstler eingeladen, einen Projektvorschlag für das Treppenhaus zu entwickeln.
1999 wurde im Zuge des Umbaus im Ostteil des 1856 von Conrad Wilhelm Hase entworfenen Künstlerhauses Hannover von den Architekten Pax + Brüning ein großzügiges Treppenhaus als direkter Zugang zur Stiftung Niedersachsen eingebaut, dessen Architektur bewusst zurückhaltend und minimalistisch gestaltet wurde, um Raum für künstlerische Projekte zu schaffen.

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Website Stufen zur Kunst

Kathrin Sonntag 	»What’s left when you’re right«
Kathrin Sonntag »What’s left when you’re right«
Kathrin Sonntag 	»What’s left when you’re right«
Kathrin Sonntag »What’s left when you’re right«
Kathrin Sonntag 	»What’s left when you’re right«
Kathrin Sonntag »What’s left when you’re right«