Éléonore False

OPEN ROOM
om-thé-tue-eint-agit

Éléonore False OPEN ROOM om-thé-tue-eint-agit
4.9.
18.9.2016
Kunstverein Hannover

Zum zweiten Mal richtet die Gastkuratorin Mathilde de Croix (Jg. 1990) den Blick auf Hannover: nachdem sie im Rahmen der 87. Herbstausstellung im vergangenen Jahr mit Künstlerinnen und Künstlern aus Hannover Ausstellungen in ihren Ateliers kuratierte, lud sie in diesem Jahr eine junge französische Künstlerin ein, die den bis dato international wohl bekanntesten Künstler unserer Stadt verehrt: Kurt Schwitters. Beide von de Croix kuratierten Projekte zeigen eine sensible Aufmerksamkeit für den Ort, an den sie durch den Kunstverein Hannover als »jeune commissaire« durch die Förderung des Institut français sowie den Innovationsfonds der Stadt Hannover eingeladen wurde, und sie zeigen zugleich zwei wegweisende Richtungen auf, die fernab der globalisierten Welt von Bedeutung sind: die ernsthafte Auseinandersetzung mit einem Ort sowie das Arbeiten vor Ort.

»Der Körper scheint für Éléonore False (Jg. 1987, lebt in Paris) keinen Ort zu zu haben, doch »von ihm gehen alle möglichen realen oder utopischen Orte wie Strahlen aus«*, wie es Michel Foucault formuliert hat. Vom Körper geht aus, was die Künstlerin Éléonore False Ausstrahlung nennt. In den Augenblicken der Ausstrahlung muss der Körper sichtbar machen, was ihn mit der Ordnung der Welt verbindet. Für ihre Sammlung ist sie mit Hilfe von Büchern durch die Welt gereist. Nun zeigt ihre immer größer gewordene Sammlung die Welt. Es handelt sich dabei eher um Bildfragmente als um Bilder. Die Künstlerin präsentiert sie uns in Schwarzweiß. Sie hat sie vergrößert, aus ihrem Kontext gelöst und durch verschiedene Arbeitsweisen dynamisiert und in Bewegung versetzt – durch Drucktechnik, Collage, durch die Umsetzung in Volumina, in Keramik oder Gewebtes. Die Werke von Éléonore False lassen sich sehr gut durch Sätze von Kurt Schwitters charakterisieren, mit denen er seine Merz-Malerei beschrieben hat: »Das Entformeln der Materialien kann schon erfolgen durch ihre Verteilung auf der Bildfläche. Es wird noch unterstützt durch Zerteilen, Verbiegen, Überdecken oder Übermalen.«** Die Ökonomie der Geste und des Machens bildet die Grundlage für eine Materialität, die das Gegenteil von Künstelei ist. Der Maßstab der Werke ist essentiell. Er grenzt ab und bestimmt über die Begegnung des Werks mit dem Körper des Betrachters. Ornamente, Motive, Figuren oder Zeichen: Allen obliegt es, uns den »utopischen Körper« vorzustellen.
In einer Bewegung, die sich gegenläufig zu den Accrochagen von »Open Studio«*** verhält, findet die Ausstellung von Éléonore False unter dem Titel »Open Room, om-the-tue-eint-agit« in zwei Sälen des Kunstvereins Hannover statt. Die Künstlerin profitiert von der Ambiguität, die bei der Übersetzung des englischen Begriffs »room« ins Französische auftritt, werden dabei doch verschiedene Wirklichkeiten aufgerufen wie »Raum« (frz. pièce), »Saal« (frz. salle) und Zimmer (frz. chambre). Die Beschäftigung der Künstlerin mit diesen unterschiedlichen Räumlichkeiten nimmt die Bedeutungsweite des Begriffs zum Ausgangspunkt, die vom intimen bis zum normierten Raum reicht. Der Untertitel, om-the-tue-eint-agit, ist grafische Form und Babygeplapper zugleich und unterstreicht den experimentellen Charakter ihres Vorgehens. Dass bei dieser Gelegenheit ihr Werk geografisch mit dem Merzbau von Kurt Schwitters zusammentrifft, der schon immer ein Künstler für Künstler war und zudem für sie ein sehr wichtiger Künstler ist, war für False ein weiteres impulsgebendes Element für die Ausstellung.« (Mathilde de Croix)

*Michel Foucault, Die Heterotopien. Der utopische Körper. Zwei Radiovorträge, Suhrkamp Verlag,Frankfurt am Main 2005, S. 34.
**Kurt Schwitters, Die literarischen Werke, Bd. 5, Manifeste und kritische Prosa, DuMont Verlag, Köln 1998, S. 37.
***»Open Studio« (PDF), September 2015 in Hannover, hat Künstlerateliers als Arbeitsorte, Erkenntnisorte, nomadische und nicht näherbestimmte Orte vorgestellt. Das Publikum war eingeladen, sich in die Ateliers der sechs Künstler in Hannover zu begeben, wo es möglich war, deren Werke ganz direkt, ausstellungstechnisch sozusagen am räumlichen Nullpunkt, kennenzulernen.

12.00–13.30 Uhr
Kunsttauchkurs für Kinder im Alter von 5–8 Jahren

Die Kinder tauchen spielerisch in die Welt der Kunst ein und untersuchen gemeinsam mit einer erfahrenen Künstlerin experimentell die Ausstellung im Kunstverein Hannover.

Jeweils 5 € / 3 € für Mitglieder pro Kunsttaucher

Information / Anmeldung:

alle Kunsttauchkurse auf einen Blick

20.30 Uhr
Gastspiel: VARIO – 52 »so what«
... frei improvisierte Musik ...

»so what« ist das 2. Konzert der frei improvisierten Musik aus der Reihe der SCHALLBILDKONZERTE veranstaltet vom Atelier Grammophon in Kooperation mit dem Kunstverein Hannover. Unterstützt vom Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover.

Weitere Informationen

18.00 Uhr
Gastspiel: »Empathie«
Eine Choreografie der Tänzerin Cássia Lopes


Gewalt von Frauen an Frauen tanzt und bewegt.
»Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.«
(Johann Wolfgang von Goethe)

Choreografie: Cássia Lopes
Tänzerinnen: Monica Garcia Vicente, Steffi Waschina, Lauren Murray, Lilit Hakobyan, Keren Leiman

in Kooperation mit der Staatsoper Hannover

im Rahmen des Projektes »Gewalt von Frauen an Frauen« der Landeshauptstadt Hannover

18.00 Uhr
Gastspiel: »Empathie«
Eine Choreografie der Tänzerin Cássia Lopes


Gewalt von Frauen an Frauen tanzt und bewegt.
»Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.«
(Johann Wolfgang von Goethe)

Choreografie: Cássia Lopes
Tänzerinnen: Monica Garcia Vicente, Steffi Waschina, Lauren Murray, Lilit Hakobyan, Keren Leiman

in Kooperation mit der Staatsoper Hannover

im Rahmen des Projektes »Gewalt von Frauen an Frauen« der Landeshauptstadt Hannover

Éléonore False 	»Open Room, om-thé-tue-eint-agit«, 2016
Éléonore False »Open Room, om-thé-tue-eint-agit«, 2016
Éléonore False 	»Untitled ( two hands)«, 2014
Éléonore False »Untitled ( two hands)«, 2014
Éléonore False 	»Draw my breath«, 2016
Éléonore False »Draw my breath«, 2016