Stufen zur Kunst

Sophie von Hellermann

Stufen zur Kunst Sophie von Hellermann
1.7.2017
19.6.2018
Kunstverein Hannover

Die Reihe »Stufen zur Kunst« ist eine Kooperation der Stiftung Niedersachsen und des Kunstvereins Hannover. Jährlich wird eine speziell für das Treppenhaus im Ostflügel des Künstlerhauses entwickelte raumgreifende Installationen beauftragt. Das Treppenhaus wurde 1999 im Zuge eines Umbaus als direkter Zugang zur Stiftung Niedersachsen von den Architekten Pax + Brüning in dieser Form gebaut. Aufgrund der klaren und reduzierten Gestaltung war es von vornherein für die Entwicklung und Präsentation ortsspezifischer künstlerischer Projekte prädestiniert, da sich der Raum zugunsten einer künstlerischen Gestaltung zurücknimmt.
Aus dem eingeladenen Wettbewerb für das Jahr 2017/18 wurde der Vorschlag von Sophie von Hellermann (1975 in München geboren) ausgewählt. Seit dem 30. August 2017 ist nun das insgesamt 350 qm umfassende Wandgemälde der im britischen Margate lebenden Künstlerin zu sehen. Zwar hat die Künstlerin bisher nicht nur auf großformatige Leinwände, sondern ebenso auf Wände gemalt, doch ist dies nun ihre bisher größte Wandarbeit, für die sie sich rund ein Jahr lang mit der Stadtgeschichte Hannovers beschäftigte. Das Gemälde entstand dann im Laufe einer Woche, ohne Vorzeichnung, in Reaktion auf die Architektur des Stiftungstreppenhauses und spiegelt somit die Arbeitsweise der Künstlerin, bei der jedem Werk eine lange Planungsphase vorausgeht, um die Ausführung mit schnellem, gestischem Pinselstrich zu vollziehen.
Sophie von Hellermann arbeitet inhaltlich weniger als Chronistin denn als interessierte Leserin von Stadtgeschichte, die in ihrem Bild nach denjenigen Ereignissen fragt, die einen Nährboden für Teile unseres heutigen Stadtlebens bilden. So lässt sich auch der durch eine Figur aus Max und Moritz (s. 1. OG Aufzug) zitierte Wilhelm Busch mit seinem berühmten Aphorismus „Eins, zwei, drei! Im Sauseschritt – Läuft die Zeit; wir laufen mit.“ als ein wichtiges hannover-typisches Motiv für die Gestaltung dieser Arbeit lesen. Im Sauseschritt werden diverse Personen und Ereignisse zitiert und chronologisch vom Untergeschoss ausgehend von der Frühgeschichte der Stadt am Hohen Ufer bis in eine mögliche Zukunft (an der Decke) ausgebreitet. Die sich wandelnden Lebensumstände der entsprechend den Zeiten sich verändernden Bedingungen von städtischem bzw. gesellschaftlichem Leben werden in dem Gemälde angedeutet: So finden wir im Untergeschoss die eher ländliche Anmutung der städtischen Situation im Vergleich zu heute, symbolisiert durch ein Schwein, und es geht weiter in die Zeit von Personalunion – als die Könige aus Hannover kamen, bzw. sehen wir zum Beispiel König Georg I. bei seinem Auszug per Kutsche und bei der Ankunft in Großbritannien.
Die Künstlerin Sophie von Hellermann lebt als Deutsche in Grobritannien, wo sie bereits als Jugendliche hinzog. Vor dem aktuellen Hintergrund des Brexit interessierte sich von Hellermann dementsprechend insbesondere für die deutsch-britische Geschichte: über die Personalunion hinaus taucht so zum Beispiel der Komponist Georg Friedrich Händel auf, der kurze Zeit in Hannover Hofkapellmeister war (1710–12) und dann nach England migrierte.
Die Errungenschaften des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz faszinierten die Künstlerin ebenso wie dessen Austausch mit der Kurfürstin Sophie (s. Herrenhausen-Ensemble 1. OG). Über den Bergbau wird aufsteigend der Blick weitergeleitet zur Industrialisierung. Besondere Produkte wie der Continental-Reifen, aber auch der Bahlsen-Keks finden sich dann als Symbole rund um den Ersten Weltkrieg (s. Soldatenstiefel und Pickelhaube). Schließlich wird die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg im 2. Obergeschoss über Personen wie Bernhard Sprengel, Hannah Arendt oder Prof. Madjid Samii und sogar durch ein Portrait von Timm Ulrichs erschlossen.
Ein Jahr haben Besucherinnen und Besucher nun die Möglichkeit, durch dieses vielschichtige Wandbild zu wandern – eine Reise durch Zeit, Raum sowie Historie und Gegenwart.
Weitere Informationen können Sie über den Kunstverein Hannover erfragen. Die Künstlerin wird von der Galerie Greene Naftali in New York vertreten.

Sophie von Hellermann »Stufen zur Kunst«
Sophie von Hellermann »Stufen zur Kunst«
Sophie von Hellermann »Stufen zur Kunst«
Sophie von Hellermann »Stufen zur Kunst«