Alexander Lieck

Mein Europa

Alexander Lieck Mein Europa
24.2.
6.5.2018
Kunstverein Hannover

Eröffnung am Freitag, 23. Februar 2018, 20.00 Uhr

Alexander Lieck (*1967 in Berlin, lebt in Berlin) operiert zugleich mit präziser Setzung und lässigem, emotionalem Gestus. Immer schimmert das vermeintlich »Vergessene« – eine vergessene Zeit, verschwundene Zeichen – durch, das den abstrakten Formen eine geladene Ruinösität beimischt. Die Grenze zum malerischen »Könnertum« wird bewusst immer wieder überschritten, sodass fein komponierte Werke entstehen, die stets das Virtuose hinter sich lassen.
Mit der Einzelausstellung »Mein Europa« von Alexander Lieck zeigt der Kunstverein Hannover einen Künstler, der zwar bereits eine lange und intensive Werkentwicklung hinter sich hat, doch bisher institutionell nicht weitreichend wahrgenommen wurde. Dies mag vielleicht daran liegen, dass der Zweifel ein essentieller Bestandteil seiner Arbeiten ist. Gleichzeitig ist Liecks Arbeit jedoch durch formale Kompositionen und die Konzentration auf das Bild an sich gekennzeichnet. Seine abstrakten Malereien wirken auf den ersten Blick kalkuliert und geplant. Bei genauer Betrachtung weisen sie jedoch Spuren ihres Entstehungsprozesses auf, die der Künstler bewusst stehen lässt.

Sprache spielt in Liecks Arbeiten eine weitere bestimmende Rolle – nicht nur in den durchaus ironischen, bisweilen koketten Werktiteln, die an Sigmar Polke, Martin Kippenberger oder Michael Krebber denken lassen, sondern auch in den Betitelungen seiner Ausstellungen (»Russisches Billard«, Frehrking Wiesehöfer 2009; »Mon Europe (version réduite)«, Galerie Joseph Tang, 2015), die auf einen Standort hinzuweisen scheinen. Die Hängung und Komposition der Bilder ebenso wie die räumliche Erweiterung der Zeichen in dreidimensionaler, skulpturaler Form evozieren einen Gesamteindruck, bei dem nicht allein der malerische Raum als Fenster erfahr bar wird, sondern eine räumliche Setzung sichtbar gemacht wird. Man könnte sagen, hier werden Zeichen von einem Chronisten zusammengetragen, der eine Art »Fußnote« in seine Ausstellungen integriert. Begriffe wie Ruine, Dilletantismus, aber auch die unüberhörbaren Debatten über »Bad Painting« sowie das vielmals beschworene »Ende der Malerei« sind dem Künstler durchaus bewusst – wenngleich diese nur unterschwellig zum Tragen kommen.

Alexander Lieck lebte nach seinem Studium in den Niederlanden (Abschluss an der Rijksakademie in Amsterdam 1994) und in Belgien. Bis heute pflegt er den Austausch mit seinen Künstlerkolleg*innen, in jüngster Zeit arbeitet er mit Olivier Foulon (*1976 in Brüssel, lebt in Berlin) zusammen. Die beiden lernten sich durch ein Residenzstipendium in Düsseldorf kennen und zeigten jüngst Gemeinschaftswerke in ihren Galerien in Paris und Köln. Olivier Foulons konzeptuell angelegte Arbeiten befassen sich mit keinem geringerem Thema als der Kunstgeschichte, ihrer Reproduktion und Lesart. Er thematisiert Leerstellen und Spuren – worin möglicherweise die Schnittstelle der beiden künstlerischen Positionen begründet liegt. Die Ausstellung »Mein Europa« im Kunstverein Hannover ist Alexander Liecks erste institutionelle Übersichtsausstellung. Sie wird nicht nur sein Œuvre, sondern auch die aktuelle Kooperation mit Olivier Foulon vorstellen.