Brian Jungen

Brian Jungen
20.4.
16.6.2013
Kunstverein Hannover

Der kanadische Künstler Brian Jungen (*1970), ein Nachfahr des nordamerikanischen Ureinwohnerstamms der Dane-Zaa, thematisiert in seiner künstlerischen Arbeit mit einer ebenso ungewöhnlichen wie eindrücklichen Bildsprache das Verhältnis von indigener und globaler Kultur. In großformatigen Skulpturen und Installationen verwandelt Jungen Gegenstände westlicher Lebens- und Konsum- oder Unterhaltungskultur in traditionelle Objekte indianischen Lebens. So besteht eine Serie in althergebrachter Handwerksmanier gefertigter Trommeln aus ursprünglich industriell erzeugten Sesseln (»Walking Heart«, 2011; »My Decoy«, 2011). Nicht weniger faszinierend ist die Werkgruppe riesiger Totempfähle, die aus Golftaschen produziert wurden.
Eine Serie gewebter Decken aus Basket- oder Baseballteamkleidung als Ausgangsmaterial enthält gleich einen weiteren Bedeutungsverweis, beziehen sich die Mannschaften mit Namen wie Indians oder Red Skins doch oft auf das Klischeebild des »wilden« Indianers. Der Strategie der Zweckentfremdung geht der Prozess der Dekonstruktion voraus. So besteht ein riesiges Tipi (»Furniture Sculpture«, 2006) aus dem Leder zuvor »skalpierter« Wohnzimmersofas.

Im Kern von Jungens Überführung von Kultobjekten westlicher Konsum und Unterhaltungskultur in die Formensprache kultischer Gegenstände steht eine kritische Auseinandersetzung und Gegenüberstellung von indianischer Tradition und westlichem Wertesystem, ohne dabei eine Bewertung vorzunehmen. Dem kanadischen Künstler geht es nicht um die Reanimation einer marginalisierten Bildsprache und Symbolik, sondern um die Befragung kultureller Stereotypen und Produktionsbedingungen im Zeitalter globaler Vernetzung.

Auf ironische wie hintergründige Weise vermischen Jungens Skulpturen das Vokabular des zeitgenössischen wie traditionellen Kults. Ausgehend von Massenprodukten des globalen Alltags, deren Fragmentierung und Neuzusammenstellung, entwickelt Jungen unzählige Spielarten der Transformation und verdeutlicht, dass Bilder ihre Macht aus Realität, Klischee und Projektion zugleich beziehen. Jungens vielschichtige Arbeiten sind Symbiosen des Unvereinbaren, hintersinnige Kontextverschiebungen, die die Grenzen zwischen ethnologischem oder naturkundlichem Anschauungsobjekt und Warenfetischismus, mythologischem Symbol und billigem Massenprodukt lustvoll überwinden.

Brian Jungen nahm 2012 mit einer ortsspezifischen Installation an der documenta (13) teil. Die Ausstellung im Kunstverein Hannover konzentriert sich auf Neuproduktionen sowie neuere Arbeiten im Werk von Jungen ab 2006 und wird in Kooperation mit dem Bonner Kunstverein produziert.

Augenschmaus im Kunstverein
Thematische Führung »Transformationen« mit Catharina Rahlff-Mackeprang

Die kulturelle Mittagspause – diesmal mit einer Kurzführung, durch die Einzelausstellung Brian Jungen mit Catharina Rahlff-Mackeprang
Dazu serviert das Team von Gottfrieds Restaurant ein neues Menü.

Speisen und Getranke sind nicht im Eintrittspreis enthalten.

Sophie's Afterwork

Kunst entdecken, etwas Neues beginnen, Freunde, Bekannte und Unbekannte treffen, klönen, fachsimpeln und gemeinsam genießen – bei Musik, Häppchen und Wein.

Ihre Freunde sind ebenfalls herzlich willkommen!

u. A. w. g.
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Thementag »Wild Thing«
Eine Zusammenarbeit von Kunstverein Hannover, Kino im Künstlerhaus und Literaturhaus Hannover

In loser Folge veranstalten Literaturhaus, Kunstverein und Kino im Künstlerhaus mehrmals im Jahr Thementage, die auch bestimmte kulturelle und gesellschaftliche Situationen in den Fokus nehmen.

Das Programm folgt demnächst

Kombiticket 12 € für den Eintritt in Lesungen, Filme und die Ausstellung »Brian Jungen« erhältlich an der Vorverkaufskasse im Künstlerhaus (geöffnet Montag bis Freitag 12.00–18.00 Uhr, Telefon 0511 168-41222).

Augenschmaus im Kunstverein
Thematische Führung »Stereotypen und Klischees«

Die kulturelle Mittagspause – diesmal mit einer Kurzführung, durch die Einzelausstellung Brian Jungen
Dazu serviert das Team von Gottfrieds Restaurant ein neues Menü.

Speisen und Getranke sind nicht im Eintrittspreis enthalten.

Zwischen Mensch und Natur: Zur Philosophie des Jagens

Vortrag von Prof. Dr. Matthias Graf von der Schulenburg

alle Gespräche im Überlick

Augenschmaus im Kunstverein
Thematische Führung »Tradition und Gegenwart«

Die kulturelle Mittagspause – diesmal mit einer Kurzführung, durch die Einzelausstellung Brian Jungen
Dazu serviert das Team von Gottfrieds Restaurant ein neues Menü.

Speisen und Getranke sind nicht im Eintrittspreis enthalten.

First Nations – Vom Leben und Überleben der indianischen Ureinwohner Kanadas

Vortrag von Prof. Dr. Marin Trenk, Institut für Ethnologie, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main

alle Gespräche im Überlick

Nacht der Museen

Im Kunstverein Hannover steht die 15. Nacht der Museen Hannover 2013 unter dem Motto »Indianische Kultur«. Die aktuelle Ausstellung des kanadischen Künstlers und documenta 13-Teilnehmers Brian Jungen (*1970) lädt die Besucher zu Begegnungen ein, in denen das Verhältnis indianischer Kultur und Zivilisation thematisiert wird.

Brian Jungen
Brian Jungen
	Brian Jungen
Brian Jungen
	Brian Jungen
Brian Jungen
Brian Jungen 	»My Decoy«, 2011
Brian Jungen »My Decoy«, 2011
Brian Jungen  	»Blanket No. 2«, 2008
Brian Jungen »Blanket No. 2«, 2008
Brian Jungen  	»The Prince«, 2006
Brian Jungen »The Prince«, 2006
Brian Jungen  	»Wieland«, 2006
Brian Jungen »Wieland«, 2006