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    JOHN M ARMLEDER Too Much is not Enough


    25. Novemver 2006 - 28. Januar 2007
    Träger des Nord/LB Kunstpreises 2006

    John Armleder (*1948), einer der wichtigsten und einflussreichsten Schweizer Künstler der Gegenwart, macht mit seinem breit gefächerten Formen- und Stil-Vokabular die Kunst selbst zum Thema und hat damit ein unverwechselbares Universum aus divergenten und eindrucksvollen Werken geschaffen, das sich zwischen Kunst, Design, Konzept, Geometrie, Pop und Trash bewegt. Bekannt durch zahlreiche internationale Ausstellungen wie auf der Biennale Venedig oder im Museum of Modern Art New York und seit 1994 als Professor an der HBK Braunschweig tätig, stellt Armleder sich stets von neuem der Frage, was Kunst ist, kann und darf.
    Raumgreifende Installationen, appropriierte Ready-mades, Farbschüttungen oder geometrisch-konstruktive Malerei beschreiben Armleders Anlehnungen an die unterschiedlichen Bewegungen der Moderne: immer wieder nimmt er Bezug auf deren zentrale Ideen und plädiert dabei konsequent für das Prinzip, Bilder und Gegenstände innerhalb und außerhalb des Kunstkontextes als frei verfügbares Material zu nutzen.

    Im Kunstverein Hannover zeigt John Armleder eine komplexe Werkschau, die Arbeiten unterschiedlichster Werkphasen erstmals in komplett mit Wallpaintings ausgestatteten Räumen zueinander in Bezug setzt, darunter auch eigens für Hannover geschaffene oder neu inszenierte Arbeiten. So sind mehrere der emblematischen Furniture Sculptures (wie „Untitled (FS)“, 1997) zu sehen, die industriell produzierte Möbelstücke mit geometrischer Malerei kombinieren. In der Tradition Duchamps überführt Armleder Alltägliches in den Kunstkontext und hinterfragt damit sowohl den Kunstbegriff wie auch die Idee einer individuellen künstlerischen Autorschaft. Im Kunstverein Hannover stellen die Kuratoren beispielsweise nach seiner Anleitung die Arbeit „Ne Dites pas Non!“ (1996/2000) zusammen, in der Kunst und Design-Möbel ein installatives Raumbild ergeben.
    Einen wichtigen Platz in der Ausstellung nehmen neue Arbeiten ein, in denen Armleder mit Neon, Spiegeln, Blumen, koreanischen Lichtbäumen, Projektionen oder Diskokugeln arbeitet. Außerdem sind neun großformatige, 2005 entstandene Puddle Paintings zu sehen, die auf in den 1980er Jahren entstandenen Pour Paintings aufbauend sich durch die freie Gestik auszeichnen und Farben und Lacke experimentell auf der Leinwand mischen. Diese prozessualen Gemälde unterscheiden sich stark von den streng geometrischen Abstraktionen und dekorativen Elementen auf monochromem Hintergrund, etwa den Wall Paintings, die ebenfalls seit den 1980er Jahren entstehen. Vor allem diese Wandmalereien, mit denen die Räume des Kunstvereins komplett ausgemalt werden und somit der gesamten Ausstellung als Hintergrundfolie dienen, überschreiten die Grenzen von freier und angewandter Kunst, Design, Dekoration und Installationsraum.
    Mit „Ascomycetes“, „Mondo-Tiki Radiolaria“ (beide 2005) und "Flash. Flash. Flash." (2004) inszeniert John Armleder im Kunstverein eine bestehende Arbeit zu einer neuen, in dieser Form noch nicht gezeigten Installation. In riesig dimensionierten Regalen findet sich eine breit gefächerte, überbordende Ansammlung von farbig schillernden Plastikelementen, Videobildschirmen, echten und künstlichen Blumen, glitzerndem Tand, fluoreszierenden Lichtern, Ghettoblastern, Plexiglas, Plüschtieren und eigenen Arbeiten. Mit dieser Verbindung der Dinge gelingt Armleder eine Leichtigkeit, die eine deutliche Nähe zu Dada und Fluxus erkennen lässt. Armleder formuliert mit der Kombination von Ready-made und Abstraktion die Möglichkeit, Kunst als Umwertung kultureller Werte zu begreifen: ironisch mischt er Kunst und Alltag, lässt das Triviale glamourös leuchten und bietet es vor knallig farbigem und streng geometrischem Hintergrund an:
    Too Much is not Enough.

    Zur Ausstellung erscheint Mitte Januar 2007 ein Katalog im Kehrer Verlag mit Installationsaufnahmen der Ausstellung. Kosten: 29 € (für Mitglieder 23 €)

    JOHN M ARMLEDER Too Much is not Enough
    25.11.2006 – 28.01.2007
    Besucherinformationen:presse/2217_PM_Armleder.pdf
    Katalog:Informationen und Bestellmöglichkeit
    Edition: John M Armleder, Too Much, 2006
    Unterstützt durch:NORD/LB
    Stiftung Pro Helvetia
    Daimler Chrysler
    Galerie Andrea Caratsch
    Land Niedersachsen
    Beyrich DigitalDruck
    Seydlitz Objekt Wohnraum Licht
    Der Kunstverein Hannover wird vom Kulturbüro der Landeshauptstadt institutionell gefördert.

    Begleitveranstaltungen zu dieser Ausstellung.




    PLATTFORM #3

    3. - 7. Novemver 2006

    Mit der im jährlichen Turnus angelegten Veranstaltungsreihe PLATTFORM richtet der Kunstverein Hannover sein Augenmerk auf den Zusammenhang zwischen künstlerischer Ausbildung und Lehre einerseits und Ausstellungsvermittlung andererseits. Als kooperatives Projekt zwischen dem Kunstverein Hannover, als einem der bundesweit bedeutendsten Ausstellungshäuser, und Kunsthochschulen – 2004 war dies die FH Hannover, 2005 die HBK Braunschweig – thematisiert Plattform die für die Bewertung künstlerischer Arbeit zentrale Schnittstelle zwischen Kunstproduktion und -präsentation.
    Im Mittelpunkt der Veranstaltung, die in diesem Jahr gemeinsam mit der HFBK Hamburg konzipiert wurde, steht ein Konzept, das den Kunstverein in eine offene Workshop-Bühne verwandelt. Die von den Kuratoren des Kunstvereins ausgewählten künstlerischen Projekte zeigen eine große Medienvielfalt: neben Fotografie, Malerei, Zeichnung, Installation und Skulptur widmet sich die Ausstellung ebenso Werken, die prozessual angelegt sind.

    So haben etwa Studierende der Klasse Bühnenraum von Raimund Bauer eine Drehscheibe konstruiert, die Bühnenraum und Kunstobjekt zugleich ist und ihre Qualität je nach Art der Verwendung wechselt: sie funktioniert als Ausstellungsraum, Performance- oder Konzertbühne und als Plattform für Vorträge.
    Eine Projektgruppe aus Studierenden aller Studiengänge hat unter der Leitung von Ute Janssen und Sonja Umstätter ein Programm aktueller Film- und Videokunstpositionen zusammengestellt und eine entsprechende Rauminstallation für verschiedene Screenings entworfen. Unter anderem wird in diesem Zusammenhang das Filmprojekt »Eine Minute ist eine Minute« von Studierenden von Wim Wenders vorgestellt, in dem die formale Vorgabe der Länge den Inhalt definiert.
    Neben dieser umfangreichen Darstellung der verschiedenen Positionen im Bereich Video und Film sind drei Gruppenarbeiten zu sehen: Studierende der Klasse Marie José Burki (Kolenc/Fütterer/Schiernhorn/Schreiner) haben für PLATTFORM #3 gemeinsam an der Idee für eine Videoinstallation gearbeitet, zwei Projektteams (Trudzinski/Schütz und Ricklefs/Eggert) entwickelten ortsbezogene Rauminstallationen.
    Eine weitere Gemeinschaftsproduktion ist die Bar, die Studierende des Studiengangs Design mit Prof. Ralph Sommer für den Kunstverein entworfen haben.

    Weitere Beiträge von Studierenden der Klassen Andreas Slominski, Pia Stadtbäumer, Werner Büttner, Eran Schaerf, Wiebke Siem, Werner Nekes, Norbert Schwontkowski, Stéphane Calais, Wilhelm Körner und Thomas Scheibitz zeigen die komplette Bandbreite der medienübergreifenden Ansätze, die an der HFBK gelehrt und praktiziert werden.
    Damit regt PLATTFORM #3 eine Diskussion über Form und gegenseitige Einflussnahme der Positionen an, die sich während der fünftägigen Präsentation dynamisch präsentieren.
    Um diesen prozessualen Brennpunkt herum gruppieren sich Vorträge und Gespräche, die eine Diskussionsplattform über den Zusammenhang von Ausbildung, Lehre und Ausstellungsvermittlung im Spannungsfeld von Theorie und Praxis ermöglichen.

    PLATTFORM #3
    03.11.2006 – 07.11.2006
    Besucherinformationen:presse/2214_PM_Plattform_3.pdf
    Unterstützt durch:Sparkasse Hannover
    Land Niedersachsen
    Freundeskreis der Hochschule für Bildende Künste e. V.
    Der Kunstverein Hannover wird vom Kulturbüro der Landeshauptstadt institutionell gefördert.

    Begleitveranstaltungen zu dieser Ausstellung.




    HEIMSPIEL 83. Herbstausstellung

    Rolf Bier, Chosen from a piece, 2003, C-Print, 26 x 34 cm

    Jacqueline Doyen, Ohne Titel, 2004, Digitales Video, 53 sec Loop

    Degenhard Andrulat, Katharina Arndt, Thomas Behling, Daniel Behrendt, Götz Bergmann, Rolf Bier, Fabian Bahnmann, Michael Botor, Astrid Brandt, Johann Büsen, Lisa Busche, Bettina Cohnen, Franziska Cordes, Stefan Demming, Thomas Dillmann, Jacqueline Doyen, Max Elzholz, Birte Endrejat, Dennis Feddersen, Dennis Feser, Christiane Fichtner, Thomas Ganzenmüller, Sebastian Gräfe, Sebasian Grätz, Nicolas Hallbaum, Cosima Hanebeck, Peter Heber, Dirk Hennig, Ute Heuer, Gilta Jansen, Claudia Kapp, Ralf Küster, Sandra Kuhne, Lotte Lindner & Till Steinbrenner, Andrea von Lüdinghausen, Hannes Malte Mahler, Thomas Misik, Johanna von Monkiewitsch, Stefan Roigk, Frank Rosenthal, Antje Schiffers, Andy Scholz, Daniel Schürer, Christine Schulz, Rainer Splitt, Rüdiger Stanko, Ralf Tekaat, Timm Ulrichs, Janina Wick

    2. September - 25. Oktober 2006

    Vom 2. September bis zum 29. Oktober werden insgesamt 49 Künstlerinnen und Künstler aus Niedersachsen und Bremen an drei Ausstellungsorten in Hannover präsentiert.
    Neben Newcomern werden bekannte Größen Niedersachsens wie Timm Ulrichs vorgestellt. Im Kunstverein Hannover ist seine Arbeit „Bedrohtes Haus“ zu sehen. Über einem Glashaus kreist bedrohlich eine Abrissbirne. Erst durch das Abschalten des Stroms wird diese zum Ende der Ausstellung das Haus zerstören. Neben dieser skulpturalen Installation des Konzeptkünstlers wird Gilta Jansen eine installative Malerei präsentieren. Weiterhin sind im Kunstverein malerische Positionen wie die von Degenhard Andrulat und Ute Heuer, sowie Fotografien von Sandra Kuhn und Janina Wick zu sehen.
    In der NORD/LB art gallery zeigt Lisa Busche 400 DIN A4 auf die Wand plakatierte Ausdrucke, und Hannes Malte Mahler fordert den Besucher in seiner interaktiven Installation auf, das zu zeichnen, woran er glaubt. In der Städtischen Galerie Kubus sind die malerischen Positionen von Rüdiger Stanko und Frank Rosenthal, aber auch Fotografien von Bettina Cohnen und Cosima Hanebeck vertreten.

    Traditionsgemäß wurden aus den einjurierten Künstlerinnen und Künstlern die Träger für den „Kunstpreis der Sparkasse Hannover“ ermittelt sowie des „Preis des Kunstvereins Hannover“, der mit einem zweijährigen Atelierstipendium in der „Villa Minimo“ und einer abschließenden Ausstellung im Kunstverein verbunden ist.
    Rolf Bier erhält den „Kunstpreis der Sparkasse Hannover“. Der Bildhauer, Maler, Fotograf und Konzeptkünstler verwendet in seinen Arbeiten alltägliche Materialien wie Murmeln, Knete, Gummiringe und in Alufolie gewickelte Kartoffeln, Zitronen, Steine und Äpfel, die er in ein dialogisches Verhältnis zum Betrachter bringt. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist dabei der Gedanke, Skulptur als Versuch zu begreifen, „das Material sprechen zu lassen“ (Bier).
    Der Preis des Kunstvereins geht an Claudia Kapp und Jacqueline Doyen. Claudia Kapp arbeitet in ihren Installationen mit Video, Licht, Musik und Rhythmus und tritt in Performances selbst dazu in Aktion. Jacqueline Doyen entwirft groteske Körperprothesen, die auf ritualisierte, aus Medien bekannte Gesten Bezug nehmen. Sie nutzt diese auch als Requisiten für ihre Videos.
    Förderer des „Preis des Kunstvereins“ sind die Niedersächsische Lottostiftung und
    die Firmengruppe Gundlach.

    Rolf Bier
    Der Bildhauer, Maler, Fotograf und Konzeptualist wurde 1960 in Würzburg geboren, studierte an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und ist derzeit Professor an der Akademie für Bildende Künste in Stuttgart. Er war in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland, Wien, Bilbao, Rom und London vertreten. In seinen Arbeiten verwendet er Murmeln, Knete, Gummiringe und in Alufolie gewickelte Kartoffeln, Zitronen, Steine und Äpfel – allerlei Material aus dem Alltag, das er in ein dialogisches Verhältnis zum Betrachter bringt. Ausgangspunkt seiner Überlegungen war und ist dabei der Gedanke, Skulptur als Versuch zu begreifen, „das Material sprechen zu lassen“, wie er selbst sagt. Rolf Bier lebt und arbeitet in Stuttgart und Hannover.

    Claudia Kapp
    wurde 1972 in Freiburg geboren, nach einer Ausbildung zur Schneiderin und Tätigkeit als Kostüm- und Bühnenbildnerin im Theater und beim Film studierte sie an der Hochschule für Künste in Bremen freie Kunst und an der Königlichen Akademie für Bildende Kunst in Den Haag Sound und Image. In ihren Installationen arbeitet sie mit Video, Licht, Musik und Rhythmus oder wird selbst in performativen Aktionen produktiv.

    Jacqueline Doyen
    Die 1978 in Mulhouse geborene Jacqueline Doyen war Meisterschülerin bei John M Armleder, studierte an der Ecole Nationale Superieure d’Art in Nizza und an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Sie baut Objekte, die den Körper dazu zwingen, bestimmte Haltungen einzunehmen, und nutzt diese als Instrumente in Performances oder als Requisiten für ihre Videos.

    HEIMSPIEL 83. Herbstausstellung
    02.09.2006 – 25.10.2006
    Besucherinformationen:presse/2095_PM_Heimspiel_HA.pdf
    Katalog:Informationen und Bestellmöglichkeit
    Editionen: Rolf Bier, Chosen from a pile, 2003
    Katharina Arndt, Malbuch – modernes Kriegsgerät
    Sebastian Grätz, Besucher des Monats, 2006
    Unterstützt durch:Niedersächsische Sparkassenstiftung
    Lottostiftung
    Land Niedersachsen
    Gundlach GmbH & Co. KG
    Kulturregion Hannover
    Der Kunstverein Hannover wird vom Kulturbüro der Landeshauptstadt institutionell gefördert.

    Begleitveranstaltungen zu dieser Ausstellung.




    CORINNE WASMUHT

    1. Juli - 20. August 2006

    Corinne Wasmuht (*1964) gehört zu den einflussreichsten Künstlerinnen der jüngeren Generation in Deutschland. Nach ihrer Kindheit in Argentinien hat die Malerin seit den 1980er Jahren in Düsseldorf und Berlin ein außerordentlich spezifisches Œuvre entwickelt, das kaum Berührungspunkte mit den übrigen Tendenzen zeitgenössischer Malerei in Deutschland und Europa aufweist.
    Wasmuhts großformatige Bilder erscheinen wie geduldige Übungen in radikaler Verlangsamung. In vielen ihrer frühen Arbeiten harren Schildkröten, Frösche und Schlangen vollkommen bewegungslos aus. Die Zeichnungen der Tierkörper entwickeln ein ornamentales Eigenleben auf der Bildfläche. Die Malerei von Corinne Wasmuht zeugt von großer Liebe zum Detail und einer minutiösen, aufwändigen Arbeitsweise. In den aktuelleren Arbeiten der letzten Jahre ist das Thema der Überlagerung räumlicher Ebenen in den Vordergrund gerückt, wobei dreidimensionale Tiefenräume vereinzelt bereits in den Werken der 1990er Jahre eine Rolle spielten.
    In der Generierung ihrer komplexen Bildwelten geht Wasmuht schrittweise vor. Zunächst verdichtet sie ein noch vages Thema zu einer möglichen Bildidee, indem sie Unmengen verschiedener Abbildungen zu einem bestimmten Thema sammelt, beispielsweise von Steinen, Insekten, histologischen Schnitten oder Frisuren und – vor allem in den letzten Jahren – von architektonischen und landschaftlichen Räumen. Diese Materialsammlungen bilden seit 1986/87 ein eigenes Archiv, das beständig wächst, wobei Wasmuht das Sammeln eher als ihr „Hobby“ bezeichnet denn als „Instrument zur Bildfindung“. In monatelanger Collagearbeit entsteht aus den thematischen Sammlungen jeweils ein komplexer, vielschichtiger Kosmos. Wie Teile eines Puzzles fügt die Künstlerin die verschiedenen Versatzstücke zu einem neuartigen Ganzen zusammen.
    Der so entstandene Entwurf wird schließlich auf riesige (einige Quadratmeter große) Holztafeln übertragen und in mehreren Lasuren, Schicht um Schicht, vom Hintergrund ausgehend in den Vordergrund hinein ausgearbeitet. Obgleich dabei einzelne Bestandteile der Motive identifizierbar bleiben und klar konturiert hervortreten, verweigert sich das Bildganze stets dem zusammen-fassend verstehenden Blick. Die einzelnen Elemente und Bildebenen werden derart miteinander verwoben und verschränkt, dass sie sich gegenseitig überlagern und in schillernde Texturen übergehen, die zwischen Abstraktion und Realismus changieren.
    Corinne Wasmuht selbst sieht ihre Bilder als Fenster, in denen man fremde Welten entdecken kann. Innerhalb der hybridartigen Strukturen öffnen sich dreidimensionale Räumlichkeiten, werden Zentren und Peripherien generiert, die mitunter eine regelrecht sogartige Wirkung entfalten. Der Betrachter sieht sich mit räumlichen Konzepten konfrontiert, die bei aller Tiefendimension letztlich doch unbetretbar bleiben, weil sie keinerlei Halt bieten. Die uns damit zurückwerfen auf die Mechanismen und Unzulänglichkeiten der eigenen Wahrnehmung.
    Die Ausstellung im Kunstverein Hannover zeigt 10 großformatige Arbeiten, die zum Großteil in den letzten drei Jahren entstandenen sind. Es erscheinen ein Katalog und eine Edition.

    CORINNE WASMUHT
    01.07.2006 – 20.08.2006
    Besucherinformationen:presse/2180_PM_Wasmuth.pdf
    Katalog:Informationen und Bestellmöglichkeit
    Edition: Corinne Wasmuht, o.T., 2006
    Unterstützt durch:Der Kunstverein Hannover wird vom Kulturbüro der Landeshauptstadt institutionell gefördert.




    MARCEL VAN EEDEN Celia

    1. Juli - 20. August 2006

    Das Werk des holländischen Zeichners Marcel van Eeden ist in den letzten Jahren
    international durch Ausstellungen im Museum für zeitgenössische Kunst in Den Haag und im CGAC in Santiago de Compostela und zuletzt auf der Berlin Biennale 2006 aufgefallen. Seine Arbeiten erscheinen auf den ersten Blick fast altmodisch: Auf kleinformatigen Blättern entstehen seit 1993 Tausende von Farb- und Negrostift-Zeichnungen, die eine enzyklopädisch anmutende Themenvielfalt vor uns aufblättern. Nichts Flüchtiges oder gar Skizzenhaftes haftet diesen Blättern an, es sind fein ausgearbeitete, präzise Zeichnungen verschiedenster Szenen und Gegenstände, offensichtlich inspiriert durch Vorlagen aus Zeitschriften, Büchern oder topografischen Atlanten.
    Inhaltlich zusammengehalten wird dieser so verwirrend vielfältige Schwarz-Weiß-Kosmos durch die Entscheidung des Künstlers, für seine Zeichnungen ausschließlich auf Material zurückzugreifen, das vor seiner Geburt im Jahre 1965 veröffentlicht wurde. Was wir im Abschreiten der blockartig angeordneten Zeichnungsfolgen sehen, ist also ein obsessiver Versuch der Rekonstruktion einer Zeit, die sich der eigenen Erfahrung des Künstlers entzieht. Das Panorama der 1920er bis 1960er Jahre, das van Eeden entfaltet, zeigt uns eine Zeitgeschichte, an der das zeichnende Ich nie teilgehabt hat. Zugleich markiert er damit die unüberbrückbare Kluft, die ihn von dieser Historie trennt. Das Schwarz-Weiß der Zeichnungen ist insofern sowohl als Spiel mit der quasi-dokumentarischen Dimension des Projektes zu lesen, wie auch als melancholischer Hinweis auf den unabschließbaren Charakter des Unternehmens. Interessanterweise bezeichnet van Eeden sein Projekt als „Enzyklopädie meines Todes“. Auf den ersten Blick mag das irritierend wirken – beziehen sich doch die Arbeiten auf die Zeit vor seiner Geburt. Tatsächlich steht dahinter jedoch die Erkenntnis, dass der Zustand völliger Abwesenheit der eigenen Erfahrung im gleichen Maße für die Situation vor unserer Geburt, wie für die Zeit nach unserem Tod gilt, was beide Zeiträume auf paradoxe Weise vergleichbar macht.
    Die Ausstellung im Kunstverein Hannover zeigt erstmalig die etwa 150 Zeichnungen umfassende Serie „Celia“, 2004–2006, in der Text- und Bildelemente in äußerst eigenwilliger Weise miteinander kombiniert werden. Aus insgesamt vier Büchern – J. van Oudshoorns expressionistischem Laatste dagen (Last Days, 1927), aus der Autobiografie des Hochstaplers Jack Bilbo, An Autobiography (The first forty years of the complete and intimate life story of an Artist, Author, Sculptor, Art Dealer, Philosopher, Psychologist, Traveller, and a Modernist Fighter for Humanity) (1947), sowie aus T. S. Eliots Cocktailparty (1949) und Robert Walsers Spaziergang (1917) – hat der Künstler jeweils längere Textpassagen ausgewählt und mit Motiven kombiniert, die bis auf eine Ausnahme keinerlei direkten Zusammenhang zum Textgeschehen aufweisen. Gleichzeitig verzichtet van Eeden auf jegliche Quellenangaben und markiert weder den Anfang noch das Ende der jeweiligen Textabschnitte. Der Betrachter hat den Eindruck, eine lineare Erzählung vor sich zu haben, deren Logik jedoch in der Text-Bild-Beziehung pausenlos vom Künstler unterlaufen wird.
    Neben dieser neuen Reihe von Zeichnungen wird ein größeres Konvolut (etwa 150 Zeichnungen) aus früheren Jahren präsentiert, ebenso wie 150 Zeichnungen der so genannten Wiegand-Serie, die bereits auf der Berlin Biennale zu sehen waren. Zugrunde gelegt ist hier die Person eines gewissen Karl McKay Wiegand, ein eher unbedeutender Botaniker, der 1873 in den USA geboren wurde und der im Bilderkosmos des Marcel van Eeden ein neues, aufregendes – nie gelebtes – Leben eingehaucht bekommt: Er kämpft um die Boxweltmeisterschaft, heiratet Liz Taylor, malt in seiner Freizeit
    abstrakte Bilder und schreibt Bücher. Dabei besteht hier im Gegensatz zu den Arbeiten aus der Celia-Serie eine direkte Beziehung zwischen Bildsinn und Textsinn.

    MARCEL VAN EEDEN Celia
    01.07.2006 – 20.08.2006
    Besucherinformationen:presse/2178_PM_MarcelVanEeden.pdf
    Katalog:Informationen und Bestellmöglichkeit
    Unterstützt durch:Der Kunstverein Hannover wird vom Kulturbüro der Landeshauptstadt institutionell gefördert.




    JÖRG SASSE Tableaus und Skizzen

    7988, 2002 C-Print 105 x 180 cm ©VG-Bild-Kunst Bonn 2006

    29. April - 18. Juni 2006

    „Ich hatte als Kind ein eigenes Fotoalbum voller Fotos, die mein Abbild zeigten. Dass anhand von Fotos in meinem Fotoalbum etwas entstand, was ich für meine Erinnerung hielt, war extrem merkwürdig. An ganze Geschichten konnte ich mich nur durch diese Fotos und die Erzählungen dazu erinnern – so als hätte ich selbst nie daran teilgenommen“ (Jörg Sasse). Das Verhältnis zwischen Fotografie und Realität, die Konstruktion von Erinnerung und die Manipulierbarkeit der Wirklichkeit durch die Fotografie bestimmt von allem Anfang an das Werk Jörg Sasses, der seit vielen Jahren zu den wichtigsten und einflussreichsten Fotografen aus der Düsseldorfer Becher-Klasse gehört. Im Dickicht möglicher Bild-Fallen und -Interpretationen geht es dem Künstler in erster Linie darum, die visuelle Eigenlogik des fotografischen Bildes im Blick zu behalten. Die Schönheit und Rätselhaftigkeit seiner Aufnahmen speist sich vor allem aus einer stupenden Fähigkeit, aus dem unendlichen Potential der möglichen Bilder die Konstellationen zu destillieren, die einerseits offen und lesbar scheinen und andererseits doch auch immer vom anhaltenden Staunen über die Eigenmächtigkeit des Visuellen handeln. Dabei verzichtet Jörg Sasse, anders als viele seiner Kollegen aus der Becher-Schule wie beispielsweise Thomas Ruff, Candida Höfer oder Thomas Struth, völlig auf das Prinzip der Serie und realisiert seine Arbeiten ausnahmslos als Einzelwerke.
    Zehntausende von Amateur- und eigenen Aufnahmen dienen dem Fotografen als Archiv, als eine Sammelstelle von bildnerischen Möglichkeiten, die noch in jede Richtung hin entwickelbar sind. Auf der Suche nach einer „völlig unverstellten Gegenwart“ (Sasse), dem Moment, der die ganze Banalität und Einzigartigkeit des Augenblicks enthält, verwandelt der Künstler sein Ausgangsmaterial durch erste, meist geringfügige Eingriffe in „Skizzen“, von denen pro Jahr etwa zehn bis fünfzehn tatsächliche Bildreife erlangen. Seit den frühen 80er Jahren ist auf diese Weise ein Werk entstanden, dessen suggestive Kraft sich direkt aus dem ihm eingeschriebenen universellen visuellen Begehren speist. Es sind Bilder, die etwas treffen, weil sie alles vordergründig Wichtige bewusst verpassen, Verdichtungen, die von den Momenten erzählen, an denen der konventionelle Zusammenhang aussetzt und sich an die Stelle des vertrauten Kontextes die Lücke des Nicht-Ereignisses schiebt. Und nicht zuletzt sind es atemberaubend schöne Bilder, ohne dass sie je auch nur in die Nähe eines Kitsch-Verdachtes geraten. Ihre Schönheit besteht vielmehr in der Unmöglichkeit, sie narrativ oder logisch aufzulösen.
    Die in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Bonn entstandene Ausstellung zeigt neben einem großen Konvolut der für Sasse grundlegend wichtigen „Skizzen“ vorwiegend neue Arbeiten aus den letzten Jahren. Im Verlag Schirmer & Mosel erscheint dazu eine umfassende Publikation.

    JÖRG SASSE Tableaus und Skizzen
    29.04.2006 – 18.06.2006
    Besucherinformationen:presse/2055_PM_Sasse.pdf
    Katalog:Informationen und Bestellmöglichkeit
    Edition: Jörg Sasse, „20060301084“, 2006
    Unterstützt durch:Der Kunstverein Hannover wird vom Kulturbüro der Landeshauptstadt institutionell gefördert.

    Begleitveranstaltungen zu dieser Ausstellung.




    JONATHAN MONK yesterday today tomorrow etc.

    Jonathan Monk, Constantly moving whilst standing still, 2005 Bicycle, moving wheels, 180 x 108 x 50 cm, Collection Dr. Paul Marks, Toronto, Canada

    25. Februar - 16. April 2006

    In Jonathan Monks künstlerischer Arbeit paaren sich Leichtigkeit, Nostalgie und Ironie mit präziser Genauigkeit und einem hoch entwickelten Sinn für die wesentlichen Entwicklungslinien der Kunst des 20. Jahrhunderts zu einem faszinierenden, immer persönlich grundierten Kosmos.
    Im Mittelpunkt der Überlegungen des 1969 in Leicester geborenen und in Berlin lebenden Künstlers steht die Suche nach dem archimedischen Punkt, an dem sich privat-persönliche Erfahrung mit künstlerischer Verallgemeinerung und Abstraktion produktiv verbindet.
    Nicht von ungefähr bilden Bars, Bier und Fußball einen wichtigen Schwerpunkt in der Frühphase dieses Werks. Als Orte des täglichen Lebens und Epizentren kollektiven Freizeitvergnügens sind sie für Monk das perfekte Feld, um seine künstlerischen Interventionen gegen jegliche blässliche „Kunst-als-Kunst“-Anämie abzusichern. So werden absurde Biertrinkrekorde aufgestellt und mittels eines bierdurchnässten T-Shirts dokumentiert, der eigene Name – nach dem Genuss von 10 Pints Bier – in den Sand gepisst oder befreundete Künstler aufgefordert, in Monks privater Toilette tätig zu werden, und sei es, indem man sie zum Überlaufen bringt („My Little Toilet“). Der unverkennbar britische Humor, mit dem hier Menschliches und Allzumenschliches zum Gegenstand einer künstlerischen Veröffentlichung wird, begleitet das Werk bis heute. Ebenso wichtig ist aber die Reflexion darüber, wie und nach welchen Regeln Kunst entsteht und inwieweit die Mythen und Erzählungen über viele wichtige Werke der jüngeren Kunstgeschichte deren Bedeutung in gleichem Maße konstituieren wie die Werke selbst.
    Insbesondere die Konzept- und Minimal-Kunst der 60er und 70er Jahre mit ihren Autonomie-Forderungen und den strengen, auf Objektivierbarkeit zielenden Regelwerken bilden einen wesentlichen Bezugspunkt für Monks eigene Überlegungen. Von Mondrian über Sol LeWitt bis hin zu Richard Serra unterzieht Monk deren Arbeiten einer sowohl interpretierenden wie aneignenden Wiederholung, die den Absolutheits- und Reinheitsanspruch dieser Werke gezielt mit der eigenen Biografie und seinem persönlichen Umfeld kurzschließt. Im Ergebnis entsteht so eine bestechende Balance aus Demystifizierung der Reinheitsdogmen der 60er und 70er Jahre und ihrer persönlich gefärbten und damit produktiv verunreinigten Revitalisierung.
    Diese erste institutionelle Übersichtsausstellung zu Jonathan Monk ermöglicht einen umfassenden Einblick in die seit Anfang der 90er Jahre entstandenen Werkkomplexe und wird darüber hinaus neue, eigens für Hannover geschaffene Arbeiten enthalten. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Nürnberg und dem Kunstmuseum Sankt Gallen, wo sie im Anschluss an die Auftaktveranstaltung in Hannover im Frühsommer und Herbst 2006 zu sehen sein wird. Es erscheint ein Katalog.

    JONATHAN MONK yesterday today tomorrow etc.
    25.02.2006 – 16.04.2006
    Besucherinformationen:presse/1979_PM_Monk.pdf
    Katalog:Informationen und Bestellmöglichkeit
    Edition: Jonathan Monk, 42. Andy Warhol Paris 1967, 2006
    Unterstützt durch:The Henry Moore Foundation
    The British Council
    Land Niedersachsen
    dragon rouge

    Der Kunstverein Hannover wird vom Kulturbüro der Landeshauptstadt institutionell gefördert.

    Begleitveranstaltungen zu dieser Ausstellung.




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    kunstverein hannover • sophienstraße 2 • 30159 hannover • germany • tel +49 (0) 511 16 99 278-0 • fax +49 (0) 511 16 99 278-278
    mail@kunstverein-hannover.dewww.kunstverein-hannover.de
    öffnungszeiten: dienstag–samstag 12–19 uhr • sonntag+feiertag 11–19 uhr
    eintrittspreise: 5 € • ermäßigt 3 € • mitglieder frei
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