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    MADE IN GERMANY ZWEI
    Hans Op de Beeck
    Los Carpinteros

    MADE IN GERMANY ZWEI


    17. Mai–19. August 2012
    Das Sprengel Museum Hannover, die kestnergesellschaft und der Kunstverein Hannover zeigen gemeinsam unter dem Titel MADE IN GERMANY ZWEI eine große Überblicksschau zur internationalen, zeitgenössischen Kunstszene in Deutschland.

    Die Ausstellung präsentiert insgesamt rund 40 wegweisende Positionen einer jüngeren Generation internationaler Künstler, die in Deutschland leben und arbeiten, setzt sie in Bezug zueinander und untersucht Gemeinsamkeiten, Tendenzen und künstlerische Entwicklungen. Mit der Ausstellung knüpfen die drei hannoverschen Institutionen an die erfolgreiche Schau »Made in Germany« des Jahres 2007 an, bei der die Häuser erstmalig gemeinsam eine Ausstellung ausrichteten.


    Für MADE IN GERMANY ZWEI wurde die Idee von »Made in Germany« von einem Kuratorenteam aller drei Institutionen deutlich weiter entwickelt: Die Ausstellung wird dieses Mal institutionsübergreifend kuratiert. Damit erfolgt die Zusammenarbeit der Häuser in noch engerer Absprache. Thematische Schwerpunkte verdeutlichen aktuelle künstlerische Fragestellungen und setzen sie miteinander in Beziehung. Aktuelle Tendenzen, künstlerische Herangehensweisen und Ausdrucksformen werden auf diese Weise exemplarisch an dem international geprägten Kunstraum Deutschland untersucht und diskutiert. Zahlreiche der teilnehmenden Künstler entwickeln eigens für MADE IN GERMANY ZWEI neue Arbeiten.

    Die Ausstellung »Made in Germany« stellte 2007 in den drei Institutionen 52 künstlerische Positionen vor. Anders als die traditionell global ausgerichtete Documenta in Kassel, die zeitgleich stattfand, konzentrierte sich die Schau auf die Kunstszene in Deutschland und untersuchte den Produktionsstandort.. „Made in Germany“ hatte einen durchschlagenden Erfolg und vermittelte einen Eindruck von der aktiven, qualitativ hochwertigen und vielfältigen Kunstszene in Deutschland, darunter einige Künstler, die in der Folge international wahrgenommen wurden. Künstler, die bei „Made in Germany“ vertreten waren, werden nicht nochmals in der Ausstellung MADE IN GERMANY ZWEI gezeigt.

    Begleitend zur Ausstellung wird eine Publikation veröffentlicht, ein umfangreiches Rahmen- und Vermittlungsprogramm vertieft die thematischen Schwerpunkte der Ausstellung.

    Kuratorinnen und Kuratoren von MADE IN GERMANY ZWEI sind Susanne Figner, Martin Germann, Antonia Lotz, Kathrin Meyer, Carina Plath, Gabriele Sand, Kristin Schrader, Ute Stuffer und René Zechlin. Verantwortlich für die Ausstellung sind die Direktoren Ulrich Krempel (Sprengel Museum Hannover), Veit Görner (kestnergesellschaft) und René Zechlin (Kunstverein Hannover).

    weitere Informationen: http://www.madeingermanyzwei.de

    17.05.2012 – 19.08.2012
    Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Christian Wulff.



    Hans Op de Beeck

    Hans Op de Beeck, »Captain«, 2010
    Skulptur auf Sockel (Polyester, Textil, Silikon, Holz, Farbe), ca. 100 × 100 × 220 cm
    Courtesy Galleria Continua, San Gimignano / Beijing / Le Moulin

    8.September–11. November 2012
    Eröffnung am Freitag, 7. September 2012 um 20.00 Uhr

    Der belgische Künstler Hans Op de Beeck (*1969, lebt in Brüssel) wurde bekannt durch seine raumgreifenden, begehbaren Installationen, die fiktive Orte in Lebensgröße entwerfen oder räumliche Situationen illusionieren.
    Eine der größten davon, »Location (7)«, 2011, die im Gegensatz zu sechs weiteren Arbeiten aus dieser Serie erstmals nicht den öffentlichen Raum ins Zentrum rückt, führt über eine Treppe in das Innere eines verlassenen Appartements. Von dort aus fällt der Blick auf einen nächtlichen Hinterhofgarten mit Teich und illuminiertem Springbrunnen. In einem Spiel mit der Illusion verwischt der Künstler die Grenzen von Realität und Repräsentation und lässt den Betrachter zum realen Akteur in einer fiktiven Welt werden. Die eigenartige Leere verwandelt die Szenerien in reale Bühnen unserer eigenen Assoziationen und Erinnerungen. Nichts passiert, aber alles scheint möglich.

    Viele von Op de Beecks Arbeiten sind begehbare Erinnerungsbilder, die die Grenzen zwischen künstlerischer Setzung und subjektiver Projektion unscharf machen. Sie rufen vertraute Gefühle hervor, bleiben jedoch gleichzeitig unnahbar und fremd wie beispielsweise das nächtliche Ambiente eines schneebedeckten Gartens mit Karussell, das unter dem Titel »Merry-Go-Round (2)« 2005 im Kunstverein Hannover im Rahmen der Ausstellung »Night Sites« gezeigt wurde.

    Neben monumentalen bühnenartigen Raumsituation und modellhaft verkleinerten Szenerien umfasst Hans Op de Beecks Werk ebenso Filme, Zeichnungen, Malerei und Skulpturen, die er fragmentartig zu einer komplexen Erzählung verbindet. Mit der Werkgruppe »Sea of Tranquillity« blickt er in die Zukunft und entwirft die Utopie eines gigantischen Luxusdampfers. Statt Fernweh und Glamour werden in »Sea of Tranquillity« melancholisch ambivalente Bilder skizziert, die den Glauben an eine unfehlbare Technologie in eine tragikomische Absurdität unserer postmodernen Existenz überführen. So zeigt der gleichnamige Film, in dem Op de Beeck auf jegliche Dialoge verzichtet, die perfekte Oberfläche einer gepflegten Gesellschaft, die sich all ihre Luxuswünsche erfüllt hat und sich dennoch in einer totalen Leere wiederfindet.
    Das fremdartige Wechselspiel aus Modell und Illusion, Realität und Imagination, das sämtliche Arbeiten von Op de Beeck durchzieht, erhält durch die versteinerte Anmutung von »Location (7)« oder »Vanitas (1)«, 2011, eine zusätzliche Brechung. In Anlehnung an die Grisailletechnik, die der Nachahmung von Steinplastiken in der Malerei diente, verknüpft Op de Beeck hier im Medium Skulptur verschiedene Zeit- und Repräsentationsebenen. Steht die räumliche Fiktion ganz in der Gegenwart, so verweist die verfremdende Steinimitation auf ferne Vergangenheit.
    Die Mechanismen der Wahrnehmung thematisiert Op de Beeck auf spielerische Weise im Film »Staging Silence«, 2009, in dem flinke Hände aus Alltagsmaterialien Miniaturkulissen auf- und abbauen, sich aus Thermosflaschen funkelnde Wolkenkratzer formieren und in dem die perfekte cineastische Illusion unaufhörlich erzeugt und dekonstruiert wird.

    Die Präsentation im Kunstverein Hannover ist die erste Einzelausstellung von Hans Op de Beeck in Deutschland und wird neue Arbeiten mit bestehenden, bisher in Deutschland nicht gezeigten Installationen, Filmen, Modellen und Zeichnungen zu einer umfassenden Narration verbinden.


    08.09.2012 – 11.11.2012



    Los Carpinteros

    Los Carpinteros, »Patas de Rana«, 2010
    Polyurethan, Guss
    271,8 cm Ø, (17,5 × 115,6 × 27,3 cm)
    Courtesy Ivorypress, Madrid

    1. Dezember 2012–3. Februar 2013
    Eröffnung am Freitag, 30. November 2012 um 20.00 Uhr

    Die kubanische Künstlergruppe Los Carpinteros (Die Schreiner) verbindet in virtuosen Zeichnungen und raumgreifenden Skulpturen freie und angewandte Kunst auf intelligente wie humorvolle Weise zu visuellen Allegorien der Gegenwart. Handwerkliche Herstellungsprozesse und die bevorzugte Verwendung von Holz in den 1990er Jahren führten zum Namen des zunächst als Trio und seit 2003 als Duo agierenden Künstlerkollektivs Marco Castillo (*1971) und Dagoberto Rodríguez (*1969).

    In den Werken von Los Carpinteros fließen Architektur, Design und Skulptur überraschend, oft auch ironisch ineinander. Mit der Zusammenführung von privatem Raum und öffentlicher Sphäre, von alltäglichem Gebrauchsgegenstand und städtebaulicher Architektur kommentieren sie Politik und Gesellschaft.

    Die Geschichte und gesellschaftliche Gegenwart Kubas ist ein wiederkehrendes Thema ihrer Arbeiten. So vereinen sie unter dem Titel »National Liberation Movement« einen Barbecue-Grill, das Symbol US-amerikanischer Lebenskultur, mit der Form des fünfzackigen kubanischen Revolutionssterns oder schrumpfen Hochhausarchitekturen Havannas wie beispielsweise die Russische Botschaft – Symbol ehemaliger Sowjetmacht – zu funktionalen Schubladenschränken.
    Umkehrung, Transformation und Mutation gehören zu den künstlerischen Strategien des Duos. Architekturen werden zum funktionalen Objekt, Alltagsdinge zu Architekturen. Vertraute Eigenschaften verschwinden, feste Körper verflüssigen sich, Form und Funktion treten in produktiven Widerspruch – und dies mit einer verblüffenden Leichtigkeit. Dekonstruktion ist nicht künstlerisches Ziel, sondern Voraussetzung, um die Welt aus ihren Kausalbeziehungen zu lösen und neu zusammenzusetzen: wenn zum Beispiel ein Bett zum Autobahnkreuz oder zur Achterbahn mutiert, verbindet sich die rastlose öffentliche Mobilität mit privater Ruhe und verwandelt sich so das Reich des heimelig Geborgenen in einen belebten Verkehrsknotenpunkt oder eine Adrenalin angereicherte Vergnügungsfahrt. Entspannte Freizeitaktivitäten verschmelzen im Modell eines Swimmingpools in Form eines Flugzeugträgers mit militärischen Operationen und irritieren als Hybrid aus widersprüchlichen Botschaften. Los Carpinteros überführen das Vertraute in einen Zustand paradoxer und teils surrealer Bezüge, die gegebene Strukturen der Welt in Frage stellen.
    Eine schier endlose Kleiderstange mit schwarzen Männersakkos und dem nüchternen Titel »16 m« entpuppt sich schnell als doppelbödige Inszenierung. Ein Loch jeweils in Brusthöhe verläuft tunnelartig durch die Kleidungsstücke und verfremdet sie seltsam. Was zunächst wie elegante Herrenkleidung wirken mag, erscheint im nächsten Moment als uniforme Massenware und veranlasst unwillkürlich zur Frage, ob die Ursache für das Loch ein Schädling, eine gezielte Verletzung oder eine ausgefallene Designidee ist.

    Mit kritischem Unterton und humorvoller Leichtigkeit erzeugen Los Carpinteros in ihrem zeichnerischen und skulpturalen Werk ein raffiniertes Netz an Ambivalenzen zwischen Objekt und Funktion, aber auch zwischen Sprache und Bedeutung. So evoziert eine zerfließende Conga-Trommel mit dem Titel »Mucho Caliente – Much Hot« einerseits lateinamerikanische Klischees von heißen Rhythmen, andererseits ironisiert sie touristische Sprachprobleme.

    Der Kunstverein Hannover zeigt die erste umfassende Einzelausstellung von Los Carpinteros in Deutschland. Sie entsteht in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Thun, Schweiz.

    01.12.2012 – 03.02.2012



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