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Timm Ulrichs – Betreten der Ausstellung verboten. Werke von 1960 bis 2010
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28. November 2010-13. Februar 2011
Eröffnung Samstag, 27. November 2010
um 17 Uhr im Sprengel Museum Hannover
um 19 Uhr im Kunstverein Hannover
Seit Beginn der 1960er Jahre ist Timm Ulrichs in Hannover künstlerisch tätig und hat wesentliche Teile seines Werkes im Stadtraum von Hannover, im Sprengel Museum sowie im Kunstverein und Künstlerhaus realisiert. Das Sprengel Museum und der Kunstverein Hannover nehmen diese 50 Jahre künstlerischer Arbeit von Timm Ulrichs in Hannover (und seinen 70. Geburtstag) zum Anlass, um einen gemeinsamen, neuen Blick auf das Werk zu werfen. Eine Kooperation der beiden Häuser sollte allerdings nicht allein eine Hervorhebung seiner Handlungsorte sein, sondern in besonderer Weise eine historische und zeitgenössische Auseinandersetzung mit seinem Werk verbinden.
Die Aktionen, Objekte und Installationen von Timm Ulrichs haben nicht nur eine unbestrittene kunsthistorische Bedeutung, seine Arbeiten bekommen vor dem Hintergrund aktueller zeitgenössischer Kunstproduktion auch eine neue Relevanz. Die Übertragung konzeptueller Herangehensweisen in gesellschaftliche Zusammenhänge und Alltagssituationen oder die Hinterfragung der Rolle des Künstlers sind bis heute wichtige künstlerische Fragestellungen. Parallelen zur aktuellen zeitgenössischen Produktion finden sich ebenfalls in Ulrichs feinsinniger Analyse der Sprache, der inhaltlichen Verwendung des Titels als Kommentar und damit als wesentlichem Bestandteil des Werkes, aber auch in seinem Humor bei gleichzeitig konzeptueller Strenge und Radikalität. Die Verwendung des Alltagsobjektes in Fotografie und Skulptur sind bei Timm Ulrichs bereits in den 1970er Jahren vorangelegt. Ein Begriff wie „Romantischer Konzeptualismus“, unter dem zeitgenössische Arbeiten in den letzten Jahren diskutiert wurden, ist in vielen Arbeiten von Timm Ulrichs vorformuliert.
Die Ausstellung möchte das Werk von Timm Ulrichs vor dem Hintergrund zeitgenössischer Praxis neu entdecken und relevante Themen- und Arbeitskomplexe gesondert heraus heben. | 28.11.2010 – 13.02.2011 | | Unterstützt durch: | Mittel des Landes Niedersachsen
die Niedersächsische Sparkassenstiftung
die Sparkasse Hannover
die Stiftung Kulturregion
die NORD/LB
e.on |

Özlem Sulak – Reform, Revolution und Putsch
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26. Februar–3. April 2011
Eröffnung am Freitag, 15. Februar 2011
Mit Özlem Sulak und Sebastian Neubauer zeigt der Kunstverein Hannover in einer Doppelausstellung die Werke der beiden PreisträgerInnen des „Preis des Kunstvereins“ 2008. Der Schwerpunkt der repräsentativen Werkübersicht liegt auf Arbeiten, die während ihres zweijährigen Aufenthalts im Atelierhaus des Kunstvereins Hannover, in der Villa Minimo, entstanden sind.
In Sulaks Videoarbeiten ereignet sich eine faszinierende inhaltliche Dichte, die nie im bloßen Dokumentarischen verweilt. Ausgangspunkt und Inspirationsquelle von Sulaks Arbeiten bildet ihre Herkunft aus einer von Immigration geprägten Familie. Ihre lakonisch-poetischen Alltagsstudien kreisen um Themen der individuellen, nationalen und kulturellen Identität. In ihnen untersucht sie die persönlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen soziopolitischer Umbrüche. Die Erfahrungen von Heimat und Fremde, Integration und Migration ziehen sich als roter Faden durch Sulaks Werk. Diskursschlagworte wie Migration und Identität verlieren in den zutiefst persönlichen Arbeiten all ihre Abstraktheit: vielmehr zeigen sie sich als Kräfte und Fluchtpunkte in einem Netz individueller Erzählungen und Bilder, Erinnerungen und Schicksale.
Nicht das Bedeutungsgeladene, Spektakuläre steht im Mittelpunkt ihres Interesses, sondern eine Nähe zum Unscheinbaren und zur Poesie des Alltäglichen. Dabei verdichten sich ihre Arbeiten zu einprägsamen Bildern, die auf der Ebene des Ästhetischen wie Politischen gleichermaßen wirken. In einer reduzierten Bildsprache spiegeln sie das existentielle Gefühl von Verlust und das Überlebensprinzip des menschlichen Daseins.
Mit der Präsentation von insgesamt vier Videoarbeiten beleuchtet die Ausstellung im Kunstverein die inhaltliche und bildästhetische Vielfalt der Arbeiten Özlem Sulaks.
Im Zentrum der Ausstellung steht die 2009 entstandene Arbeit September 12, die aktuell in modifizierter Version auf dem Filmfestival in Locarno zu sehen ist. Auf zwölf Monitoren, die ähnlich einem Säulenwald präsentiert sind, vermitteln zwölf Zeitzeugen unterschiedlicher Generationen einen heterogenen Rückblick auf den türkischen Militärputsch von 1980: dieser oszilliert, wie auch der Titel der Ausstellung benennt, zwischen „Reform, Revolution und Putsch.“ Wie ein roter Faden zieht sich durch jeden Bericht der Verweis auf die verbotenen und beschlagnahmten Bücher sowie auf mögliche Umgangsformen mit dem Verbot. Eine neue Arbeit greift inhaltlich einzelne Aspekte aus September 12 auf und entwickelt diese künstlerisch weiter. Thematischer Ausgangspunkt der Neuproduktion sind vom Staat verbotene Bücher der ehemaligen DDR. Diese Videoarbeit wird durch eine Installation mit einer Auswahl eben jener Bücher ergänzt.

Sebastian Neubauer
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26. Februar–3. April 2011
Eröffnung am Freitag, 15. Februar 2011
Sebastian Neubauer (*1980 in Hameln) studierte an der Hochschule für Bildende in Künste in Braunschweig und war gemeinsam mit Özlem Sulak die letzten beiden Jahre Stipendiat des Kunstvereins Hannover in dem Atelierhaus „Villa Minimo“. In der zweijährigen Stipendienzeit entwickelte er eine vielfältige künstlerische Tätigkeit weiter, die Filme, Performances sowie die Kuratierung von Lesungen und Veranstaltungsreihen umfasst.
Im Zentrum aller Arbeiten steht die Auseinandersetzung mit Text und Sprache und dessen Verhältnis zu Bild und Musik. Text, Bild und Musik erscheinen bei Sebastian Neubauer als unterschiedliche Ebenen, die sich gegenseitig eher kommentieren, als dass sie eine Einheit bilden. In den Videos und Performances „Freiheit und Verantwortung“ oder „Schliesst Eure Augen!“ zweckentfremdet Neubauer beispielsweise die Untertitel bestehender Spielfilme für eigenwillige Karaoke-Versionen. Die von Neubauer oder beteiligten Performern gesungenen Untertitel sperren sich inhaltlich und rhythmisch gegen die musikalische Interpretation und verwandeln sich in eine befremdliche Prosa. In dem Filmprojekt „239“ kommentiert Neubauer Bilder aus der Film- und Mediengeschichte mit einem gesprochenen Text. Text und Bildbausteine sind jedoch voneinander gelöst und kombinieren sich zufällig immer wieder neu. Erläuterung, Kommentar, subjektive Assoziation, persönliche Erinnerung und Erzählung vermischen sich und stellen immer wieder neue Text-Bild-Verhältnisse auf.
Die Bandbreite von Neubauers künstlerischen Tätigkeiten umfasste auch die Produktion des Kurzfilms „Beine brechen“ von dem Regisseur Florian Krautkrämer und mit Lars Rudolph in der Hauptrolle. Eine Besonderheit des in der Ästhetik des Stummfilms produzierten Filmes ist ebenso das Verhältnis von Text zu Bild. Die Kommentar- oder Dialogtexte erscheinen nicht, wie im klassischen Stummfilm, zwischen den Szenen, sondern sind in das Bild integriert, und wurden an einer Stelle sogar in der Filmszene an die Wand geschrieben.
Auf sich aufmerksam machte Sebastian Neubauer während seines Stipendiums auch mit der monatlichen Veranstaltungsreihe „Villa Vaudeville“ in seinem Atelier. Neben Performances und Präsentationen von Künstlern aus Hannover und Braunschweig konnte Neubauer auch überregional bekannte Gäste wie den Filmemacher Michael Klöfkorn, den Philosophen Marcus Steinweg oder den Autoren Thomas Kapielski gewinnen. Die Abende der lebendigen Reihe voller Überraschungen waren eingebettet in ein künstlerisches Gesamtkonzept. Für jede Veranstaltung mit Titeln wie Casa Zierngiebel, Casa Holzway, Casa Cottonly etc., inszenierte sich Sebastian Neubauer zusammen mit den Mitorganisatoren Tom Schön, Dennis Bettels und Per Olaf Schmidt in aufwendigen Kostümierungen zu ironischen Bildallegorien, die als Motiv der Einladungskarten dienten. Im Rahmen der Ausstellung des Stipendiaten wird auch die Reihe zu einem besonderen Abschluss kommen. Statt einmal im Monat wird die Reihe in der Ausstellungslaufzeit wöchentlich im Kunstverein gastieren. Ebenso werden alle inszenierten Bildallegorien sowie die verwendeten Kostüme präsentiert werden.

Brian Jungen
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16. April–13. Juni 2011
Eröffnung am Freitag, 15. April 2011, um 20 Uhr
Brian Jungen (*1970) zählt zu den profiliertesten kanadischen Künstlern seiner Generation. Innerhalb der letzten zehn Jahren gelang es ihm, eine der markantesten und eigenständigsten Positionen innerhalb der zeitgenössischen Kunst zu erarbeiten.
International bekannt wurde Jungen durch eine 23-teilige Serie von Masken, die an Kultobjekte nordamerikanischer Indianerstämme erinnern, jedoch nicht aus Holz, sondern aus Teilstücken von Nike Air Jordan- Sportschuhen hergestellt wurden. Die Prototypes for New Understanding (1998–2005) thematisieren ebenso wie eine Gruppe von riesigen Totempfählen aus übereinander gestapelten Golftaschen oder eine Reihe von gewebten Decken aus professioneller Sportkleidung die Dialektik nativer und globaler Kultur. Sie überführen Kultobjekte des westlichen Markenfetischismus in die Formensprache kultischer Objekte.
Im Mittelpunkt dieser Arbeiten steht eine kritische Auseinandersetzung und Gegenüberstellung von indianischer Tradition und westlichem Wertesystem. Dem kanadischen Künstler mit indianischer Herkunft geht es nicht um die Reanimation einer marginalisierten Bildsprache und Symbolik, sondern um die Befragung kultureller Stereotypen und der Produktionsbedingungen im Zeitalter globaler Vernetzung.
Neben der augenscheinlichen Referenz zu zeremoniellen Masken verweisen die Prototypes auf Ikonen der Popkultur wie Darth Vader oder Optimus Prime. Auf ironische wie hintergründige Weise vermischen Jungens Skulpturen das Vokabular des zeitgenössischen wie traditionellen Kults. Ausgehend von Massenprodukten des globalen Alltags, deren Fragmentierung und Neuzusammenstellung, entwickelt Jungen unzählige Spielarten der Transformation und verdeutlicht, dass Bilder ihre Macht aus Realität und Projektion zugleich beziehen.
Der Strategie der Zweckentfremdung geht der Prozess der Dekonstruktion voraus. So zerschneidet Jungen beispielsweise die über den Werbeträger Michael Jordon popularisierten Basketballschuhe, um die einzelnen Formfragmente seiner handgefertigten Skulpturen zu generieren. Auch die zwischen 21 und 40 Meter langen Walskelette konstruiert Jungen aus einer Vielzahl demontierter Billigplastikstühle. Mithilfe dieser global verbreiteten Sitzgelegenheit skelettiert er den vom Aussterben bedrohten Wal zum lebensgroßen anatomischen Modell und weltweit reproduzierbaren Kunstobjekt.
Alltägliche Gebrauchsgüter bilden ebenso die Bausteine der monumentalen Skulptur Carapace (2009). Aus hunderten von übereinander geschichteten grünen Abfallbehältern formt Jungen eine begehbare Skulptur, die zugleich an einen riesigen Schildkrötenpanzer, ein Iglu und ein Amphitheater erinnert. Jungens vielschichtige Arbeiten sind Symbiosen des Unvereinbaren, hintersinnige Kontextverschiebungen, die die Grenzen zwischen ethnologischem oder naturkundlichem Anschauungsobjekt und Warenfetischismus, mythologischem Symbol und billigem Massenprodukt lustvoll überwinden.

Über die Metapher des Wachstums
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Michel Blazy, Armin Chodzinski, Dirk Fleischmann, Tue Greenfort, Karl Hans Janke, San Keller, Dan Peterman, Reynold Reynolds, Mika Rottenberg, Julika Rudelius, Tomás Saraceno, Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger, Superflex, Andreas Zybach
25. Juni–28. August 2011
Eröffnung am Freitag, 26. Juni 2011, 20 Uhr
Das internationale Ausstellungsprojekt Über die Metapher des Wachstums ist eine Kooperation des Kunstverein Hannover, des Frankfurter Kunstverein und des Kunsthaus Baselland. In drei Ausstellungen sollen bei jeweils unterschiedlicher Akzentuierung künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Begriff des Wachstums präsentiert werden, die dessen heutige Ambivalenz in wirtschaftlichen, biologischen und gesellschaftlichen Kontexten verdeutlichen.
Wachstum wird im Allgemeinen positiv bewertet und als erstrebenswerter Prozess angesehen. Als ein zunächst der Biologie zugeordneter Begriff suggeriert Wachstum etwas Naturgegebenes. Dementsprechend signalisiert „Wachstum“, dass alles „natürlich“ und damit richtig und in Ordnung zu sein scheint. Folgt man dem Begriff des Wachstums als einer der Biologie entlehnten Metapher, so begegnet man allerdings auch einer zweiten Seite, die in der metaphorischen Verwendung meist negiert wird. Organisches Wachstum ist immer bestimmt durch eine natürliche Grenze, es kennt den Zustand des Ausgewachsenseins und ist geprägt durch den Kreislauf von Werden und Vergehen. Stagnation, Vergänglichkeit und Erneuerung sind Teil des „Natürlichen“, finden aber in der metaphorischen Verwendung kaum Akzeptanz. So kennt beispielsweise das Wirtschaftswachstum oder die technologische Entwicklung keinen Zustand des Ausgewachsenseins, keine Grenze und keine Sättigung. Erst im Zuge von Krisen wird die Frage nach den Grenzen des Wachstums offenbar. So erschütterte auch die jüngste Wirtschaftskrise den Glauben an permanente Wertsteigerungen.
Auf dem Gebiet der kulturellen Produktion ist das Wachstumsdenken als zentrales Prinzip gesellschaftlicher Organisation schon seit längerem ein Thema. Künstler nehmen den Begriff des Wachstums und den damit verbundenen Fortschrittsglauben anhand exemplarischer Phänomene zum Anlass für Untersuchungen und Visualisierungen. Ihre Perspektiven und Arbeitsweisen zielen auf Wachstum als Metapher und operieren dabei oft selbst metaphorisch.
Das Ausstellungsprojekt Über die Metapher des Wachstums möchte erstmals verschiedene Stränge der künstlerischen Auseinandersetzung mit Phänomenen des Wachstums zusammenführen, um ein Spannungsfeld aus positiv und negativ konnotiertem Wachsen zu konstruieren, das Anlass zu grundlegenden Reflexionen bietet. Die Entwürfe der Künstler – ihre Reaktionen und Antworten auf spezifische Folgen des Wachstumsdenkens – bilden dabei eine Matrix, die die zentrale Stellung des Begriffes Wachstum im gesellschaftlichen Selbstverständnis erfahrbar macht.
Über die Metapher des Wachstums soll in Form eines institutionellen Dreiecks realisiert werden: Der Kunstverein Hannover, der Frankfurter Kunstverein und das Kunsthaus Baselland haben gemeinsam eine Auswahl von Künstlern zusammengestellt, aus der heraus für jede der drei Institutionen eine eigene Ausstellung komponiert wird. Jede Ausstellung wird unterschiedliche Schwerpunkte setzen und einem jeweils unterschiedlichen kuratorischen Duktus folgen, aber gemeinsam beworben werden. Ein Begleitprogramm wird an jedem der drei Orte verschiedene Aspekte der Thematik diskutieren. Eine Publikation dokumentiert alle Ausstellungen und führt alle Stränge des Projekts zusammen.

Eva Rothschild
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10. September–13. November 2011
Die irische Künstlerin Eva Rothschild (*1972) gehört zu den wichtigsten Vertretern einer jungen Generation von Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit formalen Aspekten der Skulptur und Plastik auseinandersetzen. Beeinflusst durch die minimalistische Formensprache der 60er und 70er Jahre überzeugen Eva Rothschilds Arbeiten durch spannungsvolle Kombinationen unterschiedlicher Materialien wie Leder, Papier, Plexiglas, Holz oder Metall.
Eva Rothschild wurde bereits international in Ausstellungen gezeigt. 2009 beeindruckte sie in der Tate Britain mit der raumgreifenden, ortspezifischen Installation „Cold Corners“. Die Ausstellung im Kunstverein Hannover wird die erste Präsentation ihres Werkes in Deutschland sein.
Die fragile und lineare Formensprache von Eva Rothschilds Skulpturen und Objekten überzeugt durch eine kompositorische Klarheit und Strenge. Die grafische Linearität ihrer Installationen erzeugt einen faszinierenden Eindruck dreidimensionaler Zeichnungen im Raum.
In Rothschilds Objektwelten trifft die Geschichte der abstrakten Kunst, und damit die Tradition der elementaren Formen, wie Kreis, Kugel, Quadrat und Dreieck, auf eine rätselhaft bedeutungsvolle Aura des Materials. Rationaler Minimalismus trifft auf emotionale Mystik. So finden sich in den Arbeiten der Künstlerin auch Referenzen an Subkulturen und die Fetischisierung des autonomen Objektes: geflochtene Lederobjekte, die wie archaische Ritualobjekte an der Wand oder als Gruppe im Raum hängen, Papierbilder mit langen Teppichfransen erinnern an die Lederjacken- und Teppichkultur einer romantisch verklärten Hippiewelt – und lösen formal das abstrakte Erscheinungsbild der Arbeiten wieder auf. Besonders deutlich wird die Überlagerung von Systemen und Bedeutungswelten, wenn Eva Rothschild für ihre gewobenen Papierarbeiten jeweils zwei Vorlagenbilder ineinanderwirkt. So verflechten sich in der Arbeit „Hand and I“ (2003) bildnerisch ein Augenpaar und ein esoterisch angehauchter Sonnenstrahlenkranz.
Der Künstlerin gelingt es, in ihren Arbeiten die geistige Aufladung der Werke der frühen Avantgarde ebenso anwesend sein zu lassen, wie die Ansprüche an gesellschaftspolitische Relevanz und ästhetische Durchdringung des Alltags der Konkreten Kunst. Die autonome elementare Form des Minimalismus begegnet potentiell utopischem, geistigem "Bildmaterial", das sie im Umfeld von Esoterik und neueren gesellschaftlichen Utopienmodellen findet.
Insignien der Moderne unterwandert Eva Rothschild mit Irrationalität, Emotionalität und inhaltlicher Irritation, die den Arbeiten eine eigenartige Melancholie verleihen, ein ambivalentes Potential zwischen visionärem Fortschritt und reaktionärem Rückzug.
Subtil verstricken ihre Arbeiten den Betrachter in Fragen nach dem Bild als Gebrauchsobjekt und nach dem Gebrauch von Bildern.

Markus Schinwald
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26. November 2011–5. Februar 2012
Eröffnung am Freitag, 25. November 2011, 20 Uhr
Seit Ende der 1990er Jahre ist der menschliche Körper als Projektionsfläche des individuellen Seins und als kulturelles Konstrukt Mittelpunkt der Arbeiten von Markus Schinwald (*1973 Salzburg).
Zentrales Merkmal in Schinwalds Werk sind eindrückliche Formulierungen des menschlichen Körpers, die ihn als wenig vertrauenswürdige, form- und manipulierbare Hülle zeigen. Spielerisch verbindet sein Werk, das in der Bildenden Kunst wie auch der Tanz- und Performanceszene verortet ist, unterschiedlichste Medien – von magisch-mystischen Filmen und Fotografien zu prothetischen Modeentwürfen und überarbeiteten historischen Gemälden – in bühnenartigen Räumen zu komplexen Wirkungsgefügen. Diese strahlen eine eigentümliche Ambivalenz aus: einerseits ziehen sie den Betrachter durch die verführerisch schönen Oberflächen fast hypnotisch an, andererseits bleiben sie strukturell immer unauflösbar und rätselhaft fremd.
International bekannt wurde Schinwald durch die skulpturale Überarbeitung von modischen Konsumartikeln, die, ihrer ursprünglichen Funktionalität enthoben, als tragbare Prothesen unbehagliche Körperhaltungen erzwingen. Camouflageartig fügen sich dagegen die subtilen prothesenartigen Eingriffe und maskenartigen Ergänzungen in Porträts aus der Biedermeierzeit, die dem Original stilistisch so angeglichen sind, als wären sie schon immer vorhanden gewesen. Prothesenartige Apparaturen oder manipulierte Kleidungsstücke als Dispositive der Kontrolle, Disziplinierung und Selbstkorrektur fixieren auch die Protagonisten seiner Filme in bestimmten Haltungen oder forcieren ihre Bewegungsabläufe. Die artifiziellen Erweiterungen der Körper bestimmen maßgeblich die Handlung des Films, der keinem linearen Erzählstrang folgt, sondern die Protagonisten ohne erkennbares Bezugssystem – teilweise wie fremdgesteuert – in seltsamen Handlungen zeigt. Die präzise Dramaturgie erzeugt eine atmosphärische Schwebe, in der das reguläre Kräfteverhältnis zwischen Mensch und Ding, Humanitas und Artefakt außer Kraft gesetzt scheint, und zielt auf die produktive Verunsicherung des Betrachters.
Schinwalds Arbeiten gehen weit über die visuelle Wahrnehmung hinaus und fokussieren jenen Moment, in dem die rationale Verfügbarkeit über den Körper erlischt und wir letztendlich mit der Frage nach der eigenen Konstruiertheit konfrontiert werden.

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