english
|
Kunst im Kontext – Schülerpresse für Schüler und Klassen
Schülerpressekonferenz mit Schreibwerkstatt
Dieses Angebot ist kostenlos!
Ihr seid herzlich eingeladen, an der Schreibwerkstatt und an der Pressekonferenz, zur Ausstellung Oppositions & Dialogues im Kunstverein Hannover teilzunehmen. Dieses Angebot richtet sich an Schülerzeitungsredakteure, Schüler mit Leistungsfach Deutsch oder interessierte Schüler, die Lust haben, über zeitgenössische Kunst zu schreiben und mit Kunstinteressierten anderer Schulen zusammen zu erleben, wie eine professionelle Pressekonferenz abläuft. (Erhalt von Pressemappen, Rede vom Direktor / Kurator, Interviews mit Künstlern, Pressefotos. (Kameras bitte mitbringen)
Die besten Artikel aus der Schreibwerkstatt werden auf der Web-Seite des Kunstvereins veröffentlicht und der Beste im Hannovermagazin Stadtkind abgedruckt. Der Autor/die Autorin wird in die Redaktionsräume eingeladen, sodass ihr Einblicke hinter die Kulissen erhaltet.
Informationen und Anmeldungen bei:
Andrea Gogl
Projektleitung Kunst im Kontext
Kunstverein Hannover
Sophienstra;e 2
30159 Hannover
paedagogik@kunstverein-hannover.de
fon: 0511 1 229 106
fax: 0511 363 22 47
Wir freuen uns in jedem Fall, wenn Ihr in Eurer Schülerzeitung über unsere Ausstellungen berichtet und schicken Euch gerne Text- und Bildmaterial zu. Wir wünschen Euch einen lehrreichen und vergnüglichen Nachmittag und hoffen auf zahlreiche Teilnehmer.
Artikel aus der Schreibwerkstatt:
Shake That Ass!
Acht Monitore, ein Song und viele Hintern. \"Unbounded\" nennt sich diese Videoinstallation von Claudia Kapp. Lauter wackelnde Pos, aufgenommen in Küchen, Schlafzimmern, Wohnzimmern. Aber was bringt hunderte Frauen dazu, ihren Allerwertesten zu \"She got a donk\" von Soulja Boy vor der Kamera zu schütteln und das auf die Internetplattform \"Youtube\" zu stellen? Dieses Phänomen hat die Künstlerin dazu bewegt, 50 Videos dieser Art in Dauerschleife abspielen zu lassen.
Dieses und fünf weitere Werke zeigen Claudia Kapps Faszination für Alltägliches und ihr Talent durch Neuordnung, Zweckentfremdung und gezielte Kontrastsetzung zu beeindrucken.
Weitaus weniger alltäglich wirken dagegen die Stahlkonstruktionen der zweiten Künstlerin Jacqueline Doyen. Die Vorstellungen zu ihren Plastiken reichen von Spielplatz über Trainingsgeräte hin zu Folterwerkzeugen. Besonderes Augenmerk richtet die gebürtige Französin auf die scheinbar natürlichen Posen vieler Personen des öffentlichen Lebens. Der Betrachter erkennt in ihren Kunstwerken den Zwang, der dahintersteht.
Eine Fotografie zeigt zum Beispiel die Körperhaltung von Faye Dunaway am Morgen nach der Oscarverleihung. Das Foto in der Ausstellung bezieht sich auf ein Pressefoto von Terry O.Neill. Lässig liegend ist dort die Schauspielerin abgebildet. Jacqueline Doyens Stahlkonstruktion dazu sieht jedoch alles andere als bequem aus. Ein über Kopfhöhe aufragendes kompliziert verschweißtes Gestell ermöglicht durch angebrachte Halterungen auch anderen Personen, Faye Dunaways Haltung einzunehmen, zumindest theoretisch. Es wird klar, dass die Haltung der Schauspielerin aufwendig inszeniert beziehungsweise vom Fotografen in ihre Form gepresst wurde. Nur so kann der Eindruck von Entspannung zum Ausdruck kommen. Körpermanipulation in ihrer schönsten Form.
Beide Künstlerinnen erhielten 2006 den Preis des Kunstvereins Hannover, ein Stipendium über zwei Jahre, und zeigen noch bis zum 1. März 2009 eine Auswahl der in dieser Zeit entstandenen Arbeiten im Kunstverein Hannover.
Silke Fröhlich, Bismarckschule, BISZ, Klasse
Die Kunst der Konstruktion
Auf alten Plattenspielern tanzen drei Plastikflaschen um die Wette. Die Szene hat etwas Unwirkliches, fast schon Skurriles. Ein Blick auf die Wandprojektion der Live-Kamera zeigt den bunten Deckelreigen, doch scheint es auf einmal, als würden sich die Flaschen völlig unkontrolliert bewegen. Obwohl in ihren Spuren befestigt, schlägt die unterschiedliche Geschwindigkeit der Ordnung ein Schnippchen. Jeder festgehaltene Moment, jede Zusammenkunft vor der Linse ist einzigartig. So lösen sich die Tänzer aus ihrer Gefangenschaft, tauschen Halt gegen die flüchtige Schönheit eines Augenblickes.
Was bei den Arbeiten der Künstlerin Claudia Kapp auffällt, das sind keine abstrakten Skulpturen oder leuchtende Farben. Es ist die Normalität der Gegenstände. Stühle, Flaschen, Leuchtstoffröhren - alles Objekte aus unserem Alltag. Fast schon zu alltäglich, um als Kunst wahrgenommen zu werden. Aber Claudia Kapp verleiht ihnen in ihren Installationen eine ganz neue Bedeutung und öffnet uns die Augen für ihre verborgene Schönheit.
Ganz anders hingegen die zweite Künstlerin, Jacqueline Doyen. Auch in ihren Werken findet sich Alltägliches, aber sie zeigt nicht die Kunst, die dahinter steckt, sondern dessen Konstruktion. Unzählige Bilder von Politikern schmücken eine ganze Wand, irritierend oft sind deren fest gefrorene Bewegungen fast identisch. Dabei erscheinen die Bewegungen einzeln betrachtet doch so beiläufig. Doch dieser Eindruck der Unbedachtheit täuscht - jede Bewegung ist einstudiert, wahrscheinlich von einem Heer an Beratern ausgeklügelt oder auch einfach nur abgekupfert. L\\\\\\\\\\\\\\\' laboration de la spontanitée - die Ausarbeitung der Spontanität. Dieser Widerspruch ist nicht nur der Titel der Fotocollage, sondern lässt sich auch als Motto auf die restlichen Werke der Künstlerin übertragen. In merkwürdigen Stahlkonstruktionen hat sie versucht, besonders entspannte Bewegungen nachzukonstruieren. Oft fällt es schwer, sich vorzustellen, in welche Position der Körper dabei gebracht werden soll. Aber die Botschaft ist eindeutig: Spontane Gesten, beiläufige Handbewegungen, alles eine Frage der Kalkulation und des geplanten Positionierens vor der Kamera von Personen, die in der Öffentlichkeit stehen. Bei längerer Betrachtung der stählernen Ungetüme stellt sich eine Frage dabei immer deutlicher und lauter: Wessen Gesten kann ich trauen, wer will bloß täuschen? Wer ist echt, und wer ist nur eine Marionette?
Ein Rundgang durch die Ausstellung der zwei Stipendiatinnen des Kunstvereins Hannover wirft sicherlich viele Fragen auf . deren Antwort jeder Besucher für sich selbst finden muss. Aber er liefert auch viele neue Perspektiven und lässt sich als Aufruf verstehen, öfter mal genauer hinzuschauen. Die Ausstellung ist noch bis zum 1. März 2009 im Kunstverein Hannover zu sehen.
Viviane Petrescu, Gymnasium Adolfinum Bückeburg, Tintenfleck, Klasse
Das Kino in unserem Kopf
Omer Fast über die Realität der Medien und unserer Erinnerungen
Uns umhllt eine ungewisse Dunkelheit. Man tastet sich voran und steht pltzlich vor zwei gro;en Leinwnden, auf denen ein Film abluft, bunt und im ersten Moment irritierend, schockierend. Man starrt auf einen Mann, dem statt eines Arms ein blutiger Knochen aus der Schulter ragt, whrend er mit einer Frau beim Lunch flirtet, deren linke Gesichtshlfte verbrannt ist. Da der 27-mintige Film von Omer Fast im Loop luft, wei; der Besucher nie genau, an welcher Stelle des Films er sich befindet, wenn er den Raum von .Take a Deep Breath. betritt. Bald wird klar, dass die Zwei kostmierte Schauspieler sind, die am Dreh eines Films ber ein Selbstmordattentat teilnehmen und die Opfer spielen. An dieser Stelle kommt der Gedanke auf: Das ist die Realitt, das Filmset. Es wird hinter den Kulissen gefilmt. Doch selbst diese Szenen, so merkt man spter, folgen nur einem Drehbuch.
Was ist also an diesem Geschehen, das wir sehen, real? Was ist die Realitt der Medien? In .Take a Deep Breath. wird ein Film nach den Aussagen eines Augenzeugen gedreht und pltzlich steigt dieser aus seinem blutigen Kostm und diskutiert mit dem Regisseur darber, was den Film realistischer machen knne. Sind die Erinnerungen des Augenzeugen real? Ist unser Kopf, wie auch die Ausstellung, nicht eher ein begehbares Kino, in dem ein Mosaik aus verzerrten Momentaufnahmen abluft?
Die Frage nach Realitt und Authentizitt begleitet die ber acht Jahre hinweg erstellten Werke des Knstlers Omer Fast, die nicht nur Tabuthemen, sondern wahrscheinlich auch biografische Einflsse aufzeigen. Omer Fast wurde 1972 in Jerusalem geboren und ist heute einer der markantesten Film- und Videoknstler der jngeren Generation. Seine Ausstellung ist noch bis zum 18.1.2009 im Kunstverein Hannover zu sehen.
Kathi Koppe, Wilhelm-Raabe-Schule, Klasse 12
Schau doch mal durch den Spiegel
.Per Speculum. (2006) (lat. Durch den Spiegel) ist ein besonderes Kunstwerk von dem aus Albanien stammenden Knstler Adrian Paci. Laute, raue Tne erfllen den Raum, und den Betrachter beschleicht ein unwohles Gefhl. Der Film gibt ihm anfangs noch keinen Anlass dazu. Er zeigt nur eine wunderschne englische Landschaft mit lachenden und spielenden Kindern. Doch der Ton wird bedrohlicher und das Bild scheint zu schwanken. Die Nahaufnahmen zeigen jetzt ernste und etwas traurige Gesichter. Diese leeren Blicke und angespannten Tne stehen in Zusammenhang mit dem Thema Migration . die Hoffnung, die Anspannung, das Ungewisse. Man fhlt sich als Betrachter so nah am Geschehen und an einem emotionalen Tiefpunkt. In allen seinen Arbeiten stellt Adrian Paci die Frage nach der eigenen Identitt. Langsam zoomt die Kamera vom Geschehen weg, und man erkennt, dass das gesehene Bild nur ein Spiegelbild war. Es hat den Anschein, dass die Kinder diesen Spiegel gar nicht wahrnehmen, sondern in ihrer eigenen Welt stehen, durch den Spiegel hindurchgucken. Ein Blick in den Spiegel scheint sich nicht zu lohnen, da sie wissen, in welcher Situation sie stecken. Der Blick wrde ihnen nur wieder die Misere vor Augen fhren. Pltzlich zerbricht der Spiegel durch eine Steinschleuder. Obwohl man wusste, dass dies gleich geschehen wird, erschreckt einen das furchtbar laute Klirren. Am Ende des Films sieht man die Kinder in einem gro;en Baum sitzen, mit den Scherben spielend. Sonnenlicht reflektiert, darin und sie geben sich untereinander Zeichen. Die Kamera entfernt sich. Man sieht nur noch einen scheinbar perfekten, funkelnden Baum. Der Betrachter ist nicht mehr in der Welt der Kinder. Er sieht nur noch das Kunstwerk vor sich. Es ist noch bis zum 15. Juni 2006 in der Ausstellung Adrian Paci im Kunstverein Hannover ausgestellt.
Von Xenia Prokoptschuk
Albert-Einstein-Gymnasium, Hameln, Klasse 10
Neue Klnge im Kunstverein
Es gibt manchmal einen Punkt, an dem sich Dinge nur noch schwer beschreiben lassen. Man kann es versuchen und mit Worten um sich werfen, die aber doch dem behandelten Thema nicht gerecht werden. Eine solche Situation erfuhr ich, nachdem ich die Ausstellung zu Ehren der aktuellen Trger des Kunstpreises .ars viva. im Kunstverein Hannover besucht hatte: Manches war zu viel fr Worte.
Gezeigt werden Werke der vier jungen Knstler Florian Hecker, Nico Dockx, Astrid Nippoldt und Marcellvs L. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Begriff .Sound.: Alle Installationen beinhalten besondere Klnge, einige bestehen sogar ausschlie;lich daraus. Daher sollte man sich darauf einstellen, dass das, was man hier zu sehen und zu hren bekommt, so weit von klassischen Begriffen der Kunst entfernt ist wie nur irgend mglich.berdies ist die Ausstellung in hohem Ma;e krperbezogen, spielt mit den Sinnenwahrnehmungen des Besuchers und wird sie auch so schnell nicht wieder loslassen.
Astrid Nippoldts .Getaway Inn. beispielsweise: Hier laufen gleichzeitig ein etwa zwlfmintiger Film aus mehreren Videosequenzen und eine rund viermintige Tonspur immer wieder ab, so dass bei jedem Durchgang andere Zusammensetzungen von Bild und Klang entstehen. Bei Marcellvs L.s .Ebbing-Flowing., dem wohl imposantesten Werk der Ausstellung, werden auf gegenberliegende Seiten eines turnhallengro;en Raumes zwei auf den ersten Blick identische Filmaufnahmen projiziert: Ein altes Schiffswrack, am Strand liegend, vom Meer aus betrachtet. Doch auf der einen Seite ist Flut . auf der anderen Ebbe. Auf der einen Seite schaukelt die Kamera im Rhythmus des Meeres . auf der anderen steht sie still. Zusammen mit den aufdringlichen Wellengeruschen knnen durchaus Anflge von Seekrankheit aufkommen.
Und dann sind da noch die Werke von Hecker und Dockx, die sich ausschlie;lich auf die Schaffung von nie gehrten Soundstrukturen konzentrieren. Der psychedelische Effekt, den das Ganze haben kann, hat mich an den Pink Floyd-Song .Echoes. erinnert, der mit hnlich ausladenden, aber auch minimalistischen Klngen aufwartet. Und ebenso schnell, wie man nach 23 Minuten Laufzeit mit .Echoes. abgeschlossen haben kann, kann man diese au;ergewhnliche Ausstellung hinter sich lassen, jedoch: In beiden Fllen tte man besser daran, sich viel mehr Zeit zu nehmen.
Nils Birkholz, Erich Kstner-Gymnasium Laatzen, 11. Kl., Spargel
Trojanische Pferde im Kunstverein Hannover?
So Paulo. Sie sehen sonnigen wei;en Sandstrand, tropische Palmen, ein altes gestrandetes Bootswrack. Hren das Rauschen der Ozeanswellen. Eine Idylle. Im Rhythmus der Wellen schaukelt diese Szene hin und her. Das hrt sich nach Urlaub an, oder? Ich muss Sie leider enttuschen, denn Sie befinden sich nicht in Brasilien, sondern einige tausend Kilometer entfernt im verregneten Deutschland. Genauer; im Kunstverein Hannover, mitten in der Ausstellung ars viva 07/08 . Sound.
Das Werk des Knstlers Marcellvs L., das es geschafft hat, Ihnen diesen Wahrnehmungsstreich zu spielen, hei;t ebbing.flowing. Es handelt sich hierbei um eine Doppelprojektion, die auf der einen Seite des Ausstellungsraumes das am Ufer liegende Bootswrack bei ansteigender Flut und gleichzeitig auf der anderen Seite des Raumes bei einsetzender Ebbe zeigt. Das Geheimnis dabei ist, dass die Kamera, die diese Szenen gefilmt hat, auf einem Boot in der Nhe des Strandes auf dem Wasser postiert war und der Blick der Kamera mit der eigenen Perspektive verwechselt wird. Whrend die Augen diesen Sinnesstreich noch abwehren knnten, werden unsere Ohren vllig hereingelegt, denn zudem gibt uns das Schlagen der Wellen, das durch Lautsprecher bertragen wird, zustzlich das Gefhl, krperlich tatschlich vor Ort zu sein. Die Klnge, mit denen Marcellvs L. in ebbing.flowing arbeitet, liegen teilweise im Grenzbereich wahrnehmbarer Frequenzen. Dadurch wird der Gleichgewichtssinn gestrt, was krperliche Irritationen bis hin zu leichter Seekrankheit zu, Folge haben kann.
Erstaunlich, was Klnge alles bewirken knnen. Das haben sich wahrscheinlich auch die Leiter des Kunstvereines gedacht, als sie das Angebot, ars viva 07/08 . Sound auszustellen, angenommen haben. Ausgestellt werden die Arbeiten der vier Preistrger im Bereich Bildende Kunst ars viva 07/08 . Sound Nico Dockx, Florian Hecker, Marcellvs L. und Astrid Nippoldt. Organisiert wurde das Ganze vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft und vom Kunstverein Hannover, in dem die Ausstellung am 15. Februar 2008 erffnet wurde.
Florian Hecker und Nico Dockx haben ihre Werke einzig und allein auf Sound beschrnkt und auf visuelle Elemente verzichtet, da sie vom Klang ablenken knnten. Florian Heckers Kompositionen zum Beispiel sind computerbasierte Tne, die, mithilfe genau angeordneter Lautsprecher, abgespielt .soundscapes. ergeben.
Marcellvs L. und Astrid Nippoldt dagegen knnte man eher als Videoknstler bezeichnen. Neben dem Aspekt Sound liefern sie durch ihre Filme optische Reize. Wie bei Marcellvs L.s Werken treten auch bei Astrid Nippoldts Arbeiten Irritationen auf, da sie, wie z. B. in ihrer Arbeit Getaway Inn die Film- und Tonspur unabhngig voneinander laufen lsst, was jedes Mal verschiedene Kompositionen und somit unterschiedliche Stimmungen bewirkt.
Computeranimierte Technosounds und Seekrankheit hervorrufende Sinnestuschungen im Kunstverein? Kann man ars viva 07/08 . Sound so auf einen Punkt bringen? Und schleichen sich jetzt Sounds als trojanische Pferde in die Rume der Kunst ein? Die Antwort auf beide Fragen ist Nein. ars viva 07/08 . Sound ist sicherlich viel mehr als computeranimierte Sounds und Sinnestuschungen; diese Ausstellung ffnet uns Augen sowie auch Ohren und animiert uns dazu, Kunst mit all unseren Sinnen wahrzunehmen. Was uns unmittelbar zur zweiten Frage fhrt;
Sound war schon lange vor dieser Ausstellung ein wichtiger Bestandteil der Kunst. Wer schon mal vom .Crossover. zwischen Musik, Pop, Avantgarde und Kunst gehrt hat, wei;, dass die Disziplingrenzen immer mehr verschwimmen und eigentlich auch nicht getrennt werden knnen.
Wer also mit seinen Sinnen auf die Reise gehen will, kann dies noch bis zum 6. April 2008 im Kunstverein Hannover tun.
ffnungszeiten und weitere Informationen auf http://www.kunstverein-hannover.de.
Ina Pintjak, Erich Kstner-Gymnasium Laatzen, 11. Kl., Spargel
Aernout Miks verkehrte Welt-Blicke in Uniformen
Die Grenzbeamten sitzen auf dem Fu;boden, in vlliger Resignation. Links und rechts daneben die Flchtlinge, ebenfalls auf der Erde, am Ende ihrer Krfte. Nur die grne Uniform unterscheidet die Autorittstrger von ihren Widersachern, beide Parteien erstarren in nahezu autistischem Verhalten. Diese Momentaufnahme ist an einer deutschen Grenze entstanden, inszeniert von einem der besten Videoknstler unserer Zeit, Aernout Mik, dessen neuste Ausstellung vom 8. Dezember bis zum 3.Februar 2008 im Kunstverein Hannover zu sehen ist. .Shifting Shifting. wird anschlie;end in Edinburgh, Bergen (Norwegen) und London ausgestellt werden.
Drei Videoarbeiten, Vacuum Room, Scapegoats, Training Ground und Raw Footage zeigen Menschen in Gruppen, die in Ausnahmesituationen versetzt werden. Hinzugenommen wurde eine frhere Arbeit des Knstlers, Park. Mik filmt ausschlie;lich Gruppen, nicht einzelne Menschen, denn .erst der Mensch in der Gruppe ist richtig interessant., wie er sagt.
Auf den ersten Blick erscheinen Aernout Miks Inszenierungen sinnlos, beim lngeren Betrachten der aufwendig gestalteten Filme erinnert man sich an politische Ereignisse der jngeren Geschichte und brutale Krisensituationen . genau einordnen kann man sie nicht. So zeigt die Videoarbeit .Training Ground. einebung bei der Polizisten die Festnahme von Flchtlingen an Grenzbergngen proben. Interessant daran ist, dass in Aernout Miks Prsentation die Flchtlinge das Kommando bernommen haben und die Polizisten demtigen, diese Arbeit bezeugt die Fhigkeit des Knstlers, die Rolle von Opfer und Tter auf eine atemberaubend realistische Art und Weise auszutauschen.
Die Erzhlungen in den Videos wirken mitunter geradezu nebenschlich, der Betrachter wird in das Geschehen hineingeworfen, ohne einen Beginn und ein Ende fixieren zu knnen. Aernout Mik setzt in seinen Videos bewusst Laiendarsteller ein, denn Laien erheben keinen Anspruch auf die Kamera, mchten nicht in den Mittelpunkt und machen genau das, was man ihnen sagt, nicht mehr und nicht weniger. Und gerade dass die oftmals sehr komplexen Szenen so schwer zu berschauen sind, macht das, was die Kamera willkrlich eingefangen hat so spannend paradox.
Der gebrtige Niederlnder, der auf der diesjhrigen Biennale den hollndischen Pavillon vertrat, zielt bewusst auf Konfrontation und Provokation und stellt mit jedem Video die Frage .Warum Gewalt?. Dabei geht es ihm nicht darum Antworten zu geben, vielmehr erffnet Mik uns einen neuen Blick auf dieses Phnomen, das uns tglich begegnet. Alle Aufnahmen, Raw Footage ausgenommen, sind tonlos. Auf die Frage, warum Aernout Mik diese albtraumhafte Tonlosigkeit zulsst antwortet er:.Ich habe ihn nicht weggelassen, ich habe ihn nur nicht hinzugefgt.. Gerade der Ton ist es, der dem Betrachter das Gesehene so prsentiert, dass er selbst nicht mehr viel denken muss. In Aernout Miks Videos fehlen die Geschichtenerzhler, die selbst das gr;te Kuriosum normalisieren und erklren knnten. Dass die Stimmen schweigen, bewirkt, dass wir endlich unseren eigenen Gedanken zuhren knnen.
Mik schafft es, den Betrachter von der Medienseifenblase wegzuholen, in der man sich manchmal lieber bewegt als in der Realitt, lsst den Betrachter dann aber mit sich allein. Was beim Sehen der Videos eine wichtige Rolle spielt, ist das eigene Krper- und Raumgefhl. Aernout Mik entschied sich dafr, die Videos nicht in der typischen .Blackbox-Situation. zu prsentieren, die riesigen Screens sind so angebracht, dass sie das Video optimieren. Die Rume sind bewusst abgedunkelt, die Screens riesig. Aernout Mik sorgt dafr, dass man seine Arbeiten so sieht, wie man sie sehen soll.
.Shifting Shifting. verschiebt unsere Realitt, Aernout Mik hat Videos geschaffen, die im Gedchtnis bleiben und zum Umdenken animieren. Zu sehen bis zum 3.Februar 2008, Di-Sa 12-19, So 11-19 Uhr.
Alisa Schellenberg, Humboldtschule Hannover, HUZ, 10. Klasse
.Made in Germany.
Wenn man den Kunstverein Hannover betritt, sieht man nicht, wie erwartet, Informationstafeln ber die Kunstausstellung. Stattdessen steht man vor einem regenartigen Wasserfall. Wassertropfen bilden jeden Tag die im Internet am hufigsten benutzten Wrter neu. Das Werk stammt von Julius Popp und stellt die Flut von Informationen dar, die jeden Tag durch das Internet verbreitet werden.
Ein weiteres Werk ist von Jeppe Hein, welches .Mobile. hei;t. Es ist ein merkwrdiges Kreissystem. Wenn man sich dem .Mobile. nhert, bewegt es sich entgegengesetzt der eigenen Richtung. Es besteht aus 6 Metallstangen, von denen eine an der Decke befestigt ist. Die anderen fnf sind waagerecht in gleichm;igem Abstand an der einen Stange justiert und enden jeweils mit einer gro;en oder kleinen Kugel. An der Decke sind fnf Bewegungsmelder verteilt angebracht.
Diese beiden Arbeiten befinden sich neben vielen anderen im Kunstverein Hannover. Dies ist aber nur ein kleiner Teil der Ausstellung .Made in Germany.. Denn die Ausstellung ist auf drei verschiedene Huser verteilt: auf den Kunstverein Hannover, die kestnergesellschaft und das Sprengel Museum. Alle 50 Knstler, die an der Ausstellung beteiligt sind, wohnen und arbeiten in Deutschland, deshalb hei;t die Ausstellung auch .Made in Germany.. Schaut es euch doch selbst einmal an. Die Ausstellung geht vom 25. Mai bis zum 26. August 2007.
Thanh Pham, Kurt-Schwitters-Gymnasium Klasse 7 und Svenja Rebecca Jordan, Hlty-Gymnasium Wunstorf Klasse 5
Schwebende Tassen und hpfende Huser
.Ich versuche Sachen, die nicht mglich sind, wahr zu machen.., erluterte der Knstler und Preistrger Stefan Jeep. Am 12.4.2007 fand im Kunstverein Hannover eine Pressekonferenz statt. Stefan Jeep und Ho-Yeol Ryu zeigen sonderbare Dinge, die durch Multimedia-Kunst entstanden sind. Schwebende Tassen, Hpfende Huser, Massenstart von Flugzeugen und Kurzfilme im Schnelldurchlauf . .In Ho-Yeol Ryus Bildern befinden sich z.B. Alltags-Gegenstnde: Tassen, Sthle und Computer, die in der Luft erstarren. In der Ausstellung befindet sich au;erdem ein Raum in dem man durch ein kleines Loch schauen kann. Man sieht eine Tasse, die in der Luft still steht, ein Tisch, der ber dem Boden schwebt, einen Lffel, der waagerecht in der Luft erstarrt, einen Fernseher, der von der Decke zu hngen scheint, und einen Stuhl, der in der Luft steht. Stefan Jeep macht es mglich, z. B. durch eine einfache Kunststoffleinwand und zwei Scheinwerfern, in dem man sich vor die Leinwand stellt, einen schwarzen und einen wei;-grauen Schatten zu projizieren. All diese Kunstwerke entstanden in den zwei Jahren in der Villa Minimo, in der List. Dort lebten und arbeiteten die Knstler zwei Jahre lang. Das Material fr die Arbeit wurde vom Kunstverein gestellt, weil sie den Preis vom Kunstverein gewonnen hatten.
Laura Lindemann und Sabrina Zientek, Hlty-Gymnasium, Zwischen Himmel und Hlty, Klasse 7
Pressekonferenz und Kunstausstellung mit Julie Mehretu
Am 8.2.2007 bot der Kunstverein Hannover uns an, an einer Pressekonferenz und Kunstausstellung von Julie Mehretu teilzunehmen. Es fing damit an, dass wir erst allein durch die Ausstellung liefen und uns die Bilder anschauten. Dabei erfuhren wir viel ber Julie Mehretu und ihre Arbeiten.
Julie Mehretu ist 1970 in thiopien geboren und malt ihre Bilder mit Wasserfarben, Bleistift und Tinte. Als Hilfsmittel nimmt sie meistens ein Lineal. Ihre Themen sind Sport, Militr, Krieg und Stadtarchitektur. Sie fotografiert alte Festungen, Gebude aus der Zeit des Barock und Stadien. Diese werden dann als Dias an die Wand projiziert und mit Bleistift nachgemalt. Diesen Vorgang wiederholt die Knstlerin solange, bis sie das Gefhl hat, das Bild sei fertig. Oft wird ein bereits gemaltes Motiv viele Male bermalt.
In vielen Werken herrscht ein regelrechter Orkan, eine Energie, die aus dem Bild herausdrngt, den Betrachter erfasst und ihn in das Bild hineinzieht. In jeder ihrer Arbeiten gibt es eine Idee von Verwirrung. Der Betrachter soll die jeweilige Festung oder das Stadion gar nicht unbedingt wieder erkennen. Beim Malen entwickelt Mehretu ihre Bilder immer weiter. Nie wei; sie von Anfang an, wie ihr Bild aussehen soll.
Die Ausstellung in Hannover ist die erste Ausstellung der Knstlerin in Deutschland. Einige ihrer Bilder hat sie extra fr den Kunstverein gemalt. Die Hlfte von all ihren Kunstwerken hngt in dieser Ausstellung, durch die wir vom Direktor des Kunstvereins Prof. Berg gefhrt wurden. Anschlie;end durften wir auch noch Fragen an Julie Mehretu stellen. Insgesamt war es ein schner Nachmittag im Kunstverein Hannover.
Laura Lindemann, Sabrina Zientek und Alena Mack, Hlty-Gymnasium, Zwischen Himmel und Hlty, Klasse 7
Totenkpfe, Trash und Teppichrollen
Von Dutzenden Totenkpfen beobachtet, schreitet man in den ersten Raum von John M. Armleders Ausstellung, .Too Much is not Enough.. Wie weit kann man gehen? Wo hrt Kunst auf? Wo ist die Grenze? Das sind die Fragen, die Armleder mit .Too Much is not Enough. stellt.
Durch acht Rume zieht sich die Ausstellung, die ein .Best-Off. aus Armleders Schaffenszeit darstellt. Jeder Raum ist von Grund auf verschieden, doch zusammen ergeben sie ein Gesamtkunstwerk. Armleder, dessen Stcke auch im Louvre (Paris) und im Museum of Modern Art (New York) ausgestellt sind, verbindet klassische Gemlde mit so genannten .Wallpaintings. (Muster und Motive an den Wnden) und Design. Dazu gehrt zum Beispiel eine raumgreifende Gerstinstallation, welche mit Blumen, Fernsehern und Lichteffekten und anderen Werken ausgestattet ist.
Bunt und chaotisch und leicht sind die Schlagwrter, die .Too Much is not Enough. am besten beschreiben. .Alles im Leben hat eine Gute und eine Schlechte Seite., philosophiert der gebrtige Schweizer. Mit .Too Much is not Enough. wolle er nur die Guten zeigen.
John M. Armleders Ausstellung ist noch bis zum 28. Januar beim Kunstverein Hannover zu besichtigen.
Manuel Behrens 12. Klasse Gymnasium Lehrte
E-Mail: Manuel.Behrens@gmx.net
Die Kunst ist nicht genug
\\\\\\\\\\\\\\\"Ich bin kein interessanter Mensch\\\\\\\\\\\\\\\", antwortete der sympathische John M Armleder auf die Frage, ob er seine persnlichen Gefhle in seine Ausstellung \\\\\\\\\\\\\\\"Too Much is not Enough\\\\\\\\\\\\\\\" im Kunstverein Hannover mit hat einflie;en lassen.
Und doch interpretiert jeder einzelne etwas zu Armleders Zufriedenheit in jedes Kunstobjekt hinein. Er liebt diese Form der Auseinandersetzung mit seiner Person und seiner Arbeit. Wer bei dem Schweizer Knstler allerdings nach einem besonderen Wiedererkennungswert sucht, ist hier an der falschen Adresse.
Denn der Gewinner des Kunstpreises der Nord/LB legt keinen Wert auf knstlerische Individualitt. Entscheidend sind die Grenzberschreitungen der knstlerischen Mglichkeiten, die hier erreicht werden. Nicht selten hrt man die Frage: Ist das berhaupt Kunst?! .
Die insgesamt sieben Rume der Ausstellung mgen fr viele auf den ersten Blick durch die grellen Farben und das grelle Neon-Licht auf Grund der gezielt eingesetzten Elektrizitt einfach schrill wirken. Doch auf den zweiten Blick beginnt man sich mit jedem einzelnen Raum genauer auseinander zu setzen.
Mbelstcke, die in Verbindung mit anderen wohnlichen Details auf ein bequemes Wohnzimmer schlie;en lassen, geben erst beim zweiten Blick die erreichte Symmetrie durch genau den gleichen Aufbau auf der anderen Seite der Wand preis.
Einer der Rume, den ich mit Tanzen und wilden Partys assoziierte und mit den im Raum schwebenden Disko-Kugeln fr am belebtesten geglaubt habe, scheint der ruhigste und entspannendste Raum zu sein.
Und genau diese faszinierenden Gegenstze machten den Besuch der Ausstellung und auch John M. Armleder selbst zu einem interessanten Erlebnis.
Annelie Ende, 12. Klasse, Kurt-Schwitters-Gymnasium
Aktuelles Angebot:
| Leitung der Schulwerkstatt: |
|
| Gast-Journalist: |
|
| Termin Schülerkonferenz: |
|
| Schreibwerkstatt: |
|
| Akkreditierung unter: |
|

|
kunstverein hannover • sophienstraße 2 • 30159 hannover • germany • tel +49 (0) 511 16 99 278-0 • fax +49 (0) 511 16 99 278-278
mail@kunstverein-hannover.de • www.kunstverein-hannover.de
öffnungszeiten: Dienstag–Samstag 12.00–19.00 Uhr • Sonn– und Feiertag 11.00–19.00 Uhr eintrittspreise: 5 € • ermäßigt 3 € • mitglieder frei
Impressum
|
|