Als besondere Maßnahme in diesen besonderen Zeiten bringen wir den Kunstverein Hannover so gut es geht zu Ihnen, solange Sie nicht zu uns können. Wöchentlich präsentieren wir Ihnen neue Inhalte zu unterschiedlichen Künstler*innen, die bereits jetzt oder aber schon bald eine Geschichte mit dem Kunstverein verbindet. Ausblicke auf die Zeit nach dem Ausnahmezustand, zum Beispiel im Rahmen von Kurzinterviews werden ergänzt von Rückblicken auf vergangene Ausstellungen. Natürlich steht Ihnen auch weiterhin das Material zur Ausstellung »Beyond the Black Atlantic« zur Verfügung. Unter »Kontaktlos Kunst« finden Sie unser digitales Vermittlungsprogramm.

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Thema vom 6. bis 12. April: Aktuelle Stipendiat*innen des Kunstvereins Hannover

Wie leben und arbeiten Künstler*innen derzeit? Der Kunstverein Hannover betreut neben dem Ausstellungsbetrieb noch ein Residenzstipendium: »Preis des Kunstvereins«. Aktuell leben und wohnen zwei Stipendiat*innen, und zwar Luise Marchand und Till Wittwer in der »Villa Minimo«, einem Hinterhaushaus im Stadtteil List. Bereits seit 1983 stellt die Firma Gundlach diese Immoblie zur Verfügung. Das Stipendium wird durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie das Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover ermöglicht.
Wir haben mit den beiden Künstler*innen in der Villa Minimo geprochen. Luise Marchand (*1987) hat in Leipzig u.a. bei Peter Piller studiert und ist für ihr Stipendium Anfang des Jahres von Berlin nach Hannover gezogen. Till Wittwer, ehemals Student bei Hito Steyerl in Berlin, hat bereits Anfang 2019 sein Wohnatelier in der Villa Minimo bezogen und arbeitet derzeit an einer Gesprächsreihe, die eigentlich im April starten sollte. Speziell für uns haben die beiden Künstler*innen unsere Fragen beantwortet um Ihnen Einblicke in ihre Arbeit zu gewähren!

Weitere Informationen zu unseren Stipendien finden Sie hier . Aktuell werden die Stipendien erneut ausgeschrieben, die Bewerbungsunterlagen liegen hier zum Download bereit (Bewerbungsschluss ist der 27.04.2020)

Till Wittwer

Till Wittwer ist der aktuelle Preisträger des Förderstipendiums Niedersachsen. Wittwers Œuvre reicht von Lecture Performances über Essays bis hin zu Filmen und Spielen. Seine Zeit in der Villa Minimo hat ihn inspiriert, sich dem für ihn neuen Medium des Hörstücks zu nähern. Noch in diesem Jahr beginnt Till Wittwer seine sechsteilige Gesprächsreihe »Fabrikanten der Wirklichkeit«, in der er mit unterschiedlichen Gästen die Schnittmenge von Fiktion und Wirklichkeit thematisieren wird. Diese Gespräche werden von weiteren Recherchen ergänzt und schließlich zu einem Podcast zusammengefügt werden. Erste Inhalte hat er in seinen Antworten verraten.
Weitere Informationen zu Wittwers Arbeiten finden Sie auf seiner Website.

Luise Marchand

Das einjährige Nationale Nachwuchsstipendium ging an die vor allem fotografisch arbeitende Luise Marchand. Sie thematisiert in ihrer Arbeit das Spannungsverhältnis zwischen der Gesellschaft und der Macht der Medien, ihre Hochglanzaufnahmen erinnern zum Teil fast schon an digitale Benutzeroberflächen. Die Zeit der Isolation ist bei ihr allerdings von einer zunehmenden Nähe zur Natur geprägt. Dazu sagt sie: »Durch den Garten der Villa und den benachbarten Stadtwald Eilenriede sehe ich mehr Gras als Beton, mehr Bäume als Menschen. Ein Zustand, den ich das letzte Mal als Kind erfahren habe.«

Thema vom 30. März bis 5. April: Timm Ulrichs

Anlässlich des 80. Geburtstags von Timm Ulrichs werfen wir einen Blick auf verschiedene Etappen der vergangenen Jahre. Timm Ulrichs ist nicht nur einer der bekanntesten Künstler unserer Stadt, sondern sicher auch jemand, der gerne selbst das Wort ergreift, um das Kunstgeschehen in Hannover und in der Welt zu kommentieren. Er ist für uns zudem ein sehr wichtiger Zeitzeuge und aktives Mitglied des Kunstvereins, dem er nicht zuletzt auch durch seine stetige Kritik kontinuierlich verbunden blieb. An die umfangreiche Retrospektive »Betreten der Ausstellung verboten! – Werke von 1960 bis 2010«, die gemeinsam mit dem Sprengel Museum entstand, sowie an einige Editionen des Totalkünstlers möchten wir erinnern.

Thema vom 23. bis 29. März: Jon Rafman

2020 werden wir im Kunstverein Hannover eine umfangreiche Einzelausstellung von Jon Rafman (*1981) realisieren. Wie kaum ein anderer Künstler thematisiert Rafman die Abhängigkeit der Menschheit von modernen Technologien bis hin zur Besessenheit vom Internet. Seine Arbeiten befassen sich mit den Möglichkeiten und zugleich mit den Abseitigkeiten des Internets, das ja bekanntlich aus unterschiedlich konsumierbaren schwarzen und anderen Netzen besteht. Rafman greift die Sprache von Computerspielen und Second Life Realitäten auf, er verfremdet, überspitzt und persifliert Charaktere, die er in sogartige, filmische Flüsse überführt. Einzelne Kapitel gleiten in der filmischen Struktur ineinander über und werden aufgelöst, ein Bild ergibt das nächste. Für seine Einzelausstellung im Kunstverein entstehen neun Raumsituationen, die die Besucher*innen mitnehmen werden auf eine Reise in die Vielschichtigkeit virtueller Welten. Jon Rafman gilt international als einer der wichtigsten Vertreter von Künstler*innen der sogenannten »Post-Internet«-Protagonist*innen, die sich mit Fragen des »Posthumanen« befassen.
Der Künstler hat uns für unsere aktuelle Aktion »Mit Abstand am besten« Videoclips aus seinem neuesten Werk, das er kontinuierlich weiterentwickelt, zur Verfügung gestellt. Wir haben einige Fragen an ihn gerichtet, die Sie hier zusammen mit seinen Antworten nachlesen können.
Die Ausstellung des Kanadischen Künstlers Jon Rafman im Kunstverein Hannover ist Teil von Kanadas Kulturprogramm als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2020. Sie wird unterstützt durch das Canada Council for the Arts und die Regierung von Kanada. Die Direktorin des Kunstvereins Hannover, Kathleen Rahn stellt zu dieser Rolle Kanadas Fragen an Katharina Fichtner, Kulturattachée der Botschaft von Kanada in Berlin.

Thema vom 16. bis 22. März: Slavs and Tatars

Erinnern Sie sich an »Sauer Power« von Slavs and Tatars?
Slavs and Tatars bauen ihre Arbeit auf drei Säulen auf. Neben den Ausstellungen gehören dazu Lecture Performances wie auch Künstler*innenbücher. Das vorherrschende Thema sind Sprachen, sprachliche Eigenheiten und Sprache als verbindendes Element. Im Vorwort zur Publikation »Wripped Scripped« heißt es »Was trennt, verbindet auch oft und führt zusammen.«. Dieser Gedanke ist grundsätzlich ein schöner und gerade jetzt von weitreichender Bedeutung.

»Wripped Scripped« ist zur Ausstellung »Sauer Power« in Kooperation mit dem Albertinum Dresden entstanden. Bei uns war das Künstler*innenbuch schnell vergriffen, doch möglicherweise erinnern Sie sich noch: Slavs and Tatars möchten ihre Inhalte jedem und jeder zugänglich machen, daher sind ihre Künstler*innenbücher auch online verfügbar.

	Till Wittwer aus Lecture Performance »Vapor Workers«, 2018
Till Wittwer aus Lecture Performance »Vapor Workers«, 2018
	Till Wittwer, Recherche-Still »Fabrikanten der Wirklichkeit«, 2020
Till Wittwer, Recherche-Still »Fabrikanten der Wirklichkeit«, 2020
	Till Wittwer, Recherche-Still »Fabrikanten der Wirklichkeit«, 2020
Till Wittwer, Recherche-Still »Fabrikanten der Wirklichkeit«, 2020
	Luise Marchand, Selbstportrait, 2018
Luise Marchand, Selbstportrait, 2018
	Luise Marchand, Stillleben, 2020
Luise Marchand, Stillleben, 2020
Jon Rafman
Jon Rafman