Beyond the Black Atlantic

Sandra Mujinga, Paulo Nazareth, Tschabalala Self, Kemang Wa Lehulere

Beyond the Black Atlantic Sandra Mujinga, Paulo Nazareth, Tschabalala Self, Kemang Wa Lehulere
15.2.
1.6.2020
Kunstverein Hannover

Die Ausstellungslaufzeit wurde bis zum 1.6. verlängert.

Die Thematisierung der westlich-eurozentrischen, oftmals von Vorurteilen behafteten Vorstellung von »Blackness« hat in den vergangenen Jahren aufgrund vielschichtiger Ereignisse weltweit an Aktualita?t und Brisanz hinzugewonnen. Überwunden geglaubte soziale Konflikte innerhalb westlicher Gesellschaften – wie beispielsweise in den USA – haben ein neues Bewusstsein bei den Akteur*innen der Black Community geweckt und gleichzeitig die Vorstellung einer globalen, polyphonen Schwarzen* Kultur, des »Black Atlantic«, in den Fokus gerückt. Der »Black Atlantic« wurde als Begriff vom englischen Soziologen Paul Gilroy 1993 eingeführt. Sein Buch gilt als Schlüsselwerk der zeitgenössischen Forschung zur Kultur und Politik der afrikanischen Diaspora in der westlichen Welt. Der Untertitel seines Buches »Modernität und Doppeltes Bewusstsein« definiert die Reichweite, die mit dem Begriff verbunden ist. Die These lautet, dass Kolonialismus, Sklaverei und verwandte Formen von Zwangsarbeit, die nach ihrer Abschaffung eingesetzt wurden, den »Fortschritt« erst möglich gemacht haben. Der »Black Atlantic« endete nicht schon mit der Abschaffung der Sklaverei, sondern erstreckt sich auch auf ihre Nachwirkungen in Afrika und in den ehemaligen Sklavengesellschaften Amerikas, aber auch in den Metropolen der europäischen Kolonialreich: Exotismus, Vorurteile, Diskriminierung, soziale Ungleichheit, Rassismus.

Schwarze Kultur ist gemeinschaftsstiftend, weil sie koloniale Amnesie hinterfragt und damit ein radikales Umdenken unserer westlichen Gesellschaften einfordert. Allzu oft wurden und werden schwarze Künstler*Innen eindimensional als Vertreter*Innen ihrer Community rezipiert und damit marginalisiert. Diese Ausstellung will unterschiedliche künstlerische Positionen zeigen, die Fragen aufwerfen, die für die Mehrheitsgesellschaft relevant sind: Vielschichtigkeit von Identitäten, die Ambivalenz von Sichtbarkeit und Transparenz, die Verdrängung von Geschichte im Unterrichtswesen, um nur einige wenige zu nennen. Sie entstehen vor dem Hintergrund des Black Atlantic, weisen aber formal und inhaltlich darüber hinaus.

Die eingeladenen Künstler*innen Sandra Mujinga (*1989, Goma, Demokratische Republik Kongo, lebt in Berlin und Oslo), Paulo Nazareth (*1977, Governador Valadares, Brasilien, lebt in Belo Horizonte), Tschabalala Self (*1990, Harlem, USA, lebt in New York City) und Kemang Wa Lehulere (*1984, Kapstadt, Südafrika, lebt in Johannesburg und Kapstadt) reflektieren in ihren Arbeiten die nach wie vor diffizile Beschäftigung mit den Aspekten Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft und sexuelle Orientierung in ihren jeweiligen Heimatländern und sind gleichzeitig qua eigener Herkunft unmittelbare Akteur*innen und Zeug*innen des steten Wandels hinsichtlich der gesellschaftlichen Betrachtung der Black Community.

Tschabalala Self »Leotard«, 2019
Tschabalala Self »Leotard«, 2019
Paulo Nazareth Untitled (from Genocide in América series), 2015
Paulo Nazareth Untitled (from Genocide in América series), 2015
Kemang Wa Lehulere »Gladiolus«, 2016
Kemang Wa Lehulere »Gladiolus«, 2016
Sandra Mujinga »Nocturnal Kinship«, 2019
Sandra Mujinga »Nocturnal Kinship«, 2019