Pieter Schoolwerth

Pieter Schoolwerth
5.12.2020
7.2.2021
Kunstverein Hannover

Der US-amerikanische Künstler Pieter Schoolwerth (*1970, St. Louis, lebt in New York) versammelt für seine erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland eine Auswahl seines Œuvres und produziert für die Räume des Kunstvereins neue Werke. Die Malereigeschichte des 16. und 18. Jahrhunderts bildet die Grundlage seines künstlerischen Schaffens, insbesondere seines Frühwerks, das altmeisterliche Malweise und Bildkomposition mit digitalen Techniken vereint. Schoolwerth verweist auf die heutige Omnipräsenz des virtuellen Bildraums mittels der Kombination analoger und digitaler Prozesse. Der am California Institute of Arts ausgebildete Künstler zeigt einen Überblick über sein Werk, das an der Schnittstelle von virtueller und realer Welt operiert. Dieser relativ neugeschaffene Zwischenbereich der flüchtigen Bilder wird von Schoolwerth mit künstlerischen und technischen Mitteln, wie beispielsweise dem Einsatz einer CNC-Fräsmaschine, visualisiert.
Die Gattung der Malerei wurde in der Kunstgeschichte als relevantes Medium immer wieder hinterfragt. Die Flut digitaler Bilder und deren Kurzlebigkeit zwingt die Malerei einmal mehr, Position zu beziehen. Pieter Schoolwerth stellt sich seit Jahrzehnten die Frage, inwiefern unser Leben von neuen Medien und Technologien bestimmt wird. Seine Werkreihe »Model as Painting« (begonnen im Jahr 2015) veranschaulicht ihre komplexen Herstellungssprozesse: Vom Künstler zugeschnitttene Schaumstoff-Schablonen wurden bemalt, ergänzt mit Fotografien von Personen und Objekten und wiederum in dieser Kombination fotografiert, digital verändert, auf Leinwand ausgedruckt und händisch mit Farbe versehen. Hierauf basierend erstellt Schoolwerth dreidimensionale Modelle aus Holz, die mittels CNC-Fräse millimetergenau zugeschnitten und manchmal ebenfalls als Exponate gezeigt werden. Das Ergebnis kann als Loop gelesen werden: Das Schaumstoff-Modell dient der Herstellung des Gemäldes, das wiederum als Blaupause für eine Skulptur fungiert. Der Künstler sieht darin eine Parallele zum Cyberspace, in dem unsichtbare Server-Farmen und Hintergrundprogramme die Infrastruktur für unsere selbstverständliche Nutzung des Internets liefern und die User durch ihre Bewegungsmuster gleichsam gestalterisch tätig sind.
In der Vergangenheit war der Künstler in Ausstellungen im Hessel Museum of Art, Annandale-on-Hudson (2018), im Whitney Museum of American Art, New York (2016), Museum of Modern Art, New York (2006), und im Centre Georges Pompidou, Paris (2002), vertreten.

Pieter Schoolwerth »Accidental Megastructure #2«, 2018
Pieter Schoolwerth »Accidental Megastructure #2«, 2018
Pieter Schoolwerth »Presentation«, 2007
Pieter Schoolwerth »Presentation«, 2007
Pieter Schoolwerth »After Troy 10«, 2012
Pieter Schoolwerth »After Troy 10«, 2012
Pieter Schoolwerth »Your Vacuum Sucks (Still)«, 2015
Pieter Schoolwerth »Your Vacuum Sucks (Still)«, 2015