Preis des Kunstvereins Hannover

Preis des Kunstvereins Hannover
20.6.
16.8.2020
Kunstverein Hannover

Die Ausstellung wird bis zum 16.08. verlängert.

Mit Isabel Nuño de Buen, Julian Öffler und Lukas Zerbst präsentiert der Kunstverein Hannover in drei parallelen Ausstellungen aktuelle Arbeiten der ehemaligen Stipendiat*innen des »Preis des Kunstvereins« (2016–2018). Seit der Initiierung des Preises anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Kunstvereins Hannover wurden bisher 47 junge Künstler*innen durch dieses Aufenthaltsstipendium am Anfang ihrer Karriere gefördert. Dass ein Kunstverein eine Stipendiat*innenstätte betreibt, stellt eine Besonderheit dar. Die ein- und zweijährigen Stipendien setzen dort an, wo es für die künstlerische Entwicklung am notwendigsten ist: bei der Sicherung des Wohn- und Arbeitsraumes sowie der Lebenshaltungskosten in der Zeit nach dem Studium. Während der Residenzzeit und darüber hinaus steht der Kunstverein Hannover in regem Kontakt zu den Preisträger*innen und richtet für die Absolvent*innen eine Ausstellung aus. Seit 2011 ist der »Preis des Kunstvereins« statt in zwei in drei Stipendien gegliedert: in das zweijährige Förderstipendium Niedersachsen sowie die einjährigen Stipendien für den Nachwuchs aus Niedersachsen und den nationalen Nachwuchs. Dank der großzügigen Förderungen des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur sowie des Kulturbüros der Landeshauptstadt Hannover erhalten die Künstler*innen ein Barstipendium in Höhe von 1.000 Euro monatlich. Gundlach GmbH & Co stellt seit Anbeginn ein schönes Atelierhaus im Stadtteil List für die künstlerische Nachwuchsförderung zur Verfügung.

Isabel Nuño De Buen
(*1985, Mexiko-Stadt, lebt und arbeitet in Hannover)
Zweijähriges Förderstipendium Niedersachsen, Januar 2017 – Dezember 2018
Der Kunstverein Hannover zeigt mit »in fugue« die erste umfassende institutionelle Einzelausstellung von Isabel Nuño de Buen. Die Ausstellung präsentiert eine über die letzten zwei Jahre neu entstandene Werkgruppe, die aus Skulpturen, Zeichnungen und einer raumspezifischen Installation besteht. Die Künstlerin arbeitet u. a. mit Papiermaschee, Keramik, Gips, Stahl, Stoff und Draht. Charakteristisch für ihre Arbeit ist ein spielerischer Umgang mit Form und Farbe sowie eine prozesshafte Auseinandersetzung mit den zeichnerischen Möglichkeiten der Skulptur. Ihr Schaffen kennzeichnen dabei zwei zentrale Aspekte: Einerseits das Bauen von fragmentarischen Objekten und Skulpturen, die als zeichnerische Geste im Raum zu verstehen sind, und andererseits das Zusammensetzen der Einzelobjekte zu einem ortsspezifischen Gesamtgefüge. Die sorgfältig gefertigten und bearbeiteten Skulpturen erinnern an Architekturfragmente, Stadtbilder und Naturformen und sind von der Untersuchung organischer und archaischer Formsprache geprägt. Nuño de Buen schafft eine eigenwillige Welt, in der Mikro- und Makrokosmos aufeinandertreffen. In ihrem Arbeitsprozess sind abgeschlossene Formen nicht existent, sodass die Möglichkeit einer Veränderung ständig aufrecht erhalten wird.
Die Künstlerin studierte an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, wo sie 2013 ihr Diplom abschloss und 2014 Meisterschülerin bei Prof. Bogomir Ecker war. Im Jahr 2015 erhielt Nuño De Buen das Jahresstipendium Niedersachsen im Bereich für Bildende Künste. Internationale Ausstellungsbeteiligungen fanden unter anderem 2018 an der Australian Center for Contemporary Art in Melbourne sowie 2015 in der Galerie Kurimanzutto in ihrer Heimatstadt statt.

Julian Öffler
(*1985, Soest, lebt und arbeitet in Bremen)
Einjähriges Nationales Nachwuchsstipendium, Januar – Dezember 2018
Julian Öffler präsentiert in seiner Ausstellung < insert title here > einen Überblick über sein facettenreiches Schaffen, das inhaltlich an der Schnittstelle von nüchterner Gegenwartsbetrachtung, der Hinterfragung von Kunstinstitutionen und (selbst-)kritischer Kunst- und Künstler*innenbetrachtung agiert. Seine Installationen operieren mit unterschiedlichsten Medien, so u. a. mit Video, das vom Künstler vielfältig (Webcam-Aufnahme oder in hochauflösender 4K-Qualität) eingesetzt wird. Als Abspielmedium verwendet er bevorzugt Röhrenfernseher, die gemeinsam mit anderen Materialien zu komplexen Environments ausgearbeitet werden und in ihrer formalen Vielfalt die thematische Bandbreite seines Schaffens widerspiegeln. Als Protagonist seiner Filme agiert Öffler oftmals selbst, wie z. B. bei seiner präsentierten Arbeit »#insidethewhitecube« (2019), die während seiner Stipendienzeit entstand. Der Titel deutet bereits an, dass es sich bei der Installation um eine raffinierte Reflexion zum Ausstellungsgeschehen bzw. zu dessen Räumlichkeiten (White Cube) und zum Umgang des Künstlers mit eben jenem handelt: Nachdem Öffler sich in einer Transportkiste in den Kunstverein hat einschleusen lassen, sinniert er im Laufe seines nächtlichen Aufenthalts, auch im Online-Dialog mit einer Kunsthistorikerin, über seine ungewöhnliche Situation und seine Rolle als Künstler.
Öffler studierte an der Hochschule für Künste in Bremen. Sein Diplom im Jahr 2015 schloss er mit Auszeichnung ab und war bis 2016 Meisterschüler bei den Professoren Korpys/Löffler. Öffler hat u. a. ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes (2012–2016) sowie 2014 den Videokunst-Förderpreis Bremen erhalten.

Lukas Zerbst
(*1988, Bydgoszcz, Polen, lebt und arbeitet in Hannover)
Einjähriges Nachwuchsstipendium Niedersachsen, Januar – Dezember 2019
Die Ausstellung »Space Invader« von Lukas Zerbst ermöglicht den Besucher*innen einen Einblick in das multidisziplinäre Schaffen des technikaffinen Künstlers, das aufwendige Installationen und Performance umfasst. Die erfinderische Neugier des Künstlers zeigt sich in seinem Umgang mit räumlichen Gegebenheiten, die er mittels moderner mechanischer und elektronischer Hilfsmittel inszeniert und (um)gestaltet. Während der Ausstellung »Space Invader« lebt und arbeitet Zerbst in den Ausstellungsräumen des Kunstvereins und gestaltet sein Ausstellungsprojekt hier als einen Prozess. »Space Invader« ist eine langandauernde Performance, innerhalb derer die Räume des Kunstvereins nach und nach mit weiteren künstlerischen Arbeiten versehen werden. Seine künstlerische Vorgehensweise kann als ein Eindringen verstanden werden, das das funktionale Umfeld seiner Zweckdienlichkeit beraubt und gleichzeitig eine manipulierte Umgebung schafft, die die Sehgewohnheiten der Besucher*innen herausfordert und die traditionelle Vorstellung eines Ausstellungsraums grundlegend in Frage stellt. Zugleich ist »Space Invader« ein Garant für einen Wohn- und Arbeitsplatz, der aus dem Artist-in-Residence einen »Artist of resilience« macht: Die Anpassungsfähigkeit des Künstlers, der unter ständiger Prüfung seiner Produktivität zu wirken bemüht ist, wird zur Schau gestellt. Ein freiwilliges Tauschgeschäft, eine friedliche Hausbesetzung.
2017 beendete Lukas Zerbst sein Kunststudium an der Hochschule für Künste in Bremen mit Auszeichnung. Er war Meisterschüler von Jenny Kropp und Jean-François Guiton. Im Jahr 2018 erhielt er den GWK Kunst-Förderpreis sowie 2019 den Bremer Förderpreis für Bildende Kunst.

Isabel Nuño de Buen »Codex«, 2019–2020
Isabel Nuño de Buen »Codex«, 2019–2020
Isabel Nuño de Buen »in fugue«, 2020
Isabel Nuño de Buen »in fugue«, 2020
Julian Öffler »no art around«, 2020
Julian Öffler »no art around«, 2020
Julian Öffler Julian Öffler »#insidethewhitecube«, 2019
Julian Öffler Julian Öffler »#insidethewhitecube«, 2019
Lukas Zerbst »Space Invader«, 2020
Lukas Zerbst »Space Invader«, 2020
Lukas Zerbst »Space Invader«, 2020
Lukas Zerbst »Space Invader«, 2020