Lena Marie Emrich (*1991)

Förderstipendium Niedersachsen (Januar 2021–Dezember 2022)
Das zweijährige Förderstipendium Niedersachsen wird an freischaffende Künstler*innen mit abgeschlossenem Hochschulstudium im Alter bis zu 35 Jahren (zum Zeitpunkt der Bewerbung) vergeben, die in Niedersachsen bzw. Bremen leben oder geboren sind.

Das zweijährige Förderstipendium Niedersachsen (Januar 2021 – Dezember 2022) wird an die Künstlerin Lena Marie Emrich (*1991 in Göttingen, lebt in Berlin) verliehen. Für ihre Werke verwendet Lena Marie Emrich Mietfahrräder, die inzwischen das Stadtbild prägen, und gruppiert diese zu größeren installativen Arbeiten im öffentlichen Raum, wo diese in ihrem skulpturalen Erscheinungsbild immer auch einen pointierten Kommentar auf unsere westliche Überflusskultur beinhalten. Ihre Technikaffinität zeigt sich auch beim Einsatz elektrischer Händetrockner oder Autos, die sie skulptural oder in Form von aufwendig konzipierten Aktionen in Szene setzt: als Live Acts, bei denen u. a. farbmächtiger Abgasnebel zum Einsatz kommt oder das Fahrzeug eine rote Unendlichkeitsschleife auf dem Untergrund hinterlässt; diese Aktionen werden in filmischen und skulpturalen Arbeiten festgehalten. In ihren neueren Objekten kombiniert Lena Marie Emrich Leder und Stahl zu potentiell tragbaren Apparaturen, die den menschlichen Körper thematisieren.

Begründung der Jury: Die Jury überzeugte Emrich aufgrund ihrer präzisen Inszenierungen und der verblüffenden Ergebnisse ihrer Beschäftigung mit dem Kontext von Mensch/Maschine sowie mit den Fragen von Körperlichkeit(en) in der heutigen Zeit.

Sven-Julien Kanclerski (*1988)

Nachwuchsstipendium Niedersachsen (Januar 2021–Dezember 2021)
Das einjährige Nachwuchsstipendium Niedersachsen wird an freischaffende Künstler*innen bis maximal drei Jahre nach ihrem Hochschulabschluss vergeben, die in Niedersachsen bzw. Bremen leben oder geboren sind.

Das einjährige Nachwuchsstipendium Niedersachsen (Januar 2021 – Dezember 2021) erhält Sven-Julien Kanclerski (*1988 in Langenhagen, lebt in Hannover). Die Fetischisierung und ironische Wendung gewöhnlicher Alltagsgegenstände zeichnen die oft großformatigen Arbeiten des Hannoveraners Sven-Julien Kanclerski aus. Die Skulptur »hippie crack« vereint sechs identische metallisch-schillernde Keramikobjekte auf dem Fußboden, die an Gebrauchsgegenstände wie beispielsweise Gasflaschen erinnern. Eine weiße, wie aufgeblasen wirkende Luftballon-Skulptur wird anhand zweier schwarzer Punkte und eines Strichlächelns zu einem Wesen, das für seine Umgebung zu groß zu sein scheint. Form und Inhalt werden von ihrer ursprünglichen Funktion gelöst und zum Teil auf den Kopf gestellt, wodurch ihre Wirkung zwischen Gewitztheit und subtiler Beunruhigung changiert.

Begründung der Jury: Die Jury entschied sich für Sven-Julien Kanclerski aufgrund der überzeugenden Formensprache seines bildhauerischen Werks, das von klugem Humor und Hintersinn geprägt ist.

Pablo Sharon Schlumberger (*1990)

Nationales Nachwuchsstipendium (Januar 2022–Dezember 2022)
Das einjährige Nationale Nachwuchsstipendium wird an freischaffende Künstler*innen bis maximal drei Jahre nach ihrem Hochschulabschluss vergeben, die ihren Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland haben.

Der Künstler Pablo Sharon Schlumberger (*1990 in Aachen, lebt in Köln und Hamburg) ist der Preisträger des einjährigen Nationalen Nachwuchsstipendiums (Januar 2022 – Dezember 2022). In den Zeichnungen, Malereien und Skulpturen von Pablo Sharon Schlumberger tauchen Figuren auf, die den Dingen ein verändertes, bisweilen ‚vermenschlichendes‘ Antlitz verleihen und sie poetisch aufladen. Die Gestalten scheinen aus vergangenen Zeiten die Gegenwart zu bevölkern und den Raum zu durchmischen: So wird ein 3D-gedruckter barocker Puttikopf auf einer aus Styropor grob herausgearbeiteten sitzenden Statue platziert, am Hals trägt sie eine über den dicken Bauch hängende Krawatte: ein Scherzartikel, der heimliches Biertrinken ermöglichen soll. Absurditäten wie diese finden sich an vielen Stellen im Werk des Künstlers, der gern kunsthistorische Elemente zitiert und dem Grotesken in seinen gezeichneten Bildnissen einfallsreich eine Bühne schafft. Auch bei seinen Werktiteln (»Er schon wieder«, »Bar Putti« oder »Kleiner Schlenker«) setzt Schlumberger auf erzählerische Assoziationen.

Begründung der Jury: Die stringente formale Zusammenführung der so unterschiedlichen Kunstgattungen gepaart mit einer inhaltlichen Doppelbödigkeit überzeugte die Jury, Pablo Sharon Schlumberger das Nationale Nachwuchsstipendium zu verleihen, auf das sich allein in diesem Jahr 75 Künstler*innen beworben haben. Er wird 2022 in Hannover leben und arbeiten.

Jurymitglieder 2020

Regina Barunke (Direktorin GAK, Bremen), Sergey Harutoonian (Kurator Kunstverein Hannover), Lotte Lindner (Künstlerin, Beirat Kunstverein Hannover), Veronika Olbrich (Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur), Dr. Silke Sommer (Vorstand Kunstverein Hannover), Dr. Reinhard Spieler (Direktor Sprengel Museum für die Stadt Hannover). Die Direktorin des Kunstvereins Kathleen Rahn nahm beratend teil.

Preis des Kunstvereins Hannover Träger*innen 2020
Preis des Kunstvereins Hannover Träger*innen 2020
Lena Marie Emrich »INFINITY DRIFT NO. 4«, 2018
Lena Marie Emrich »INFINITY DRIFT NO. 4«, 2018
Lena Marie Emrich »DETOUR II«, 2019
Lena Marie Emrich »DETOUR II«, 2019
Sven-Julien Kanclerski »High Pop«, 2020
Sven-Julien Kanclerski »High Pop«, 2020
Sven-Julien Kanclerski »I believe«, 2018
Sven-Julien Kanclerski »I believe«, 2018
Pablo Sharon Schlumberger »Am Arsch vorbei führt auch ein Weg«, 2019
Pablo Sharon Schlumberger »Am Arsch vorbei führt auch ein Weg«, 2019
Pablo Sharon Schlumberger »Er schon wieder«, 2019
Pablo Sharon Schlumberger »Er schon wieder«, 2019